Amoklauf von Winnenden Tims Eltern melden sich zu Wort


In einem offenen Brief haben die Eltern des Amokläufers von Winnenden den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl ausgesprochen. "Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, genommen", schreiben sie. Sie selbst stünden "weinend und stumm vor der unfassbaren Tragödie".

Die Familie des Amokläufers Tim K., der in der vergangenen Woche 15 Menschen tötete und dann sich selbst das Leben nahm, hat erstmals den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl ausgesprochen. In einem Brief, der vom Anwalt der Familie verbreitet wurde, heißt es:

Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, durch die entsetzliche und unbegreifbare Tat unseres Sohnes und Bruders, genommen. Immer und immer wieder fragen wir uns, wieso dies geschehen konnte. Warum wir seine Verzweiflung und seinen Hass nicht bemerkt haben. Bis zu dem furchtbaren Geschehen waren auch wir eine ganz normale Familie. Wir hätten Tim so etwas nie zugetraut und kannten ihn anders.

Wir sind bestürzt und stehen weinend und stumm vor der unfassbaren Tragödie. Unser tiefstes Mitgefühl möchten wir den Opfern, Angehörigen und Freunden aussprechen. Alle unsere Gedanken sind auch bei den körperlich und seelisch Verletzten.

Leutenbach, den 17.03.09

Die Ermittler sehen unterdessen einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Killerspielen von Tim K. und dem Blutbad mit 16 Toten. Bei der Durchsuchung des Zimmers des 17-jährigen Todesschützen waren Gewaltfilme und Computer-Ballerspiele wie "Counter-Strike" gefunden worden. "Da hat schon was stattgefunden und sich was angebahnt", sagte Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) am Dienstag in Stuttgart.

Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sprach sich unterdessen für ein hartes Vorgehen gegen Gewalt in elektronischen Medien aus: "Ich bin da persönlich zu sehr restriktiven Maßnahmen bereit." Der Bundestag will am Mittwoch über Konsequenzen aus dem Amoklauf beraten.

Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis hat sich Tim K. am Ende seiner Flucht mit einem Kopfschuss selbst gerichtet. Seine Leiche wurde bereits am vergangenen Freitag freigegeben. Wann er beigesetzt wird, ist nicht bekannt.

Die Polizei prüft weiter, ob Tim K. die Tat im Internet angekündigt hat. Rech sagte, "vieles spricht dafür", dass die Ankündigung in einem Chatroom im Internet gefälscht wurde. Dennoch werde auch der beschlagnahmte Computer der Mutter überprüft. Es gebe auch Hinweise, dass der 17-Jährige Internet-Cafés aufsuchte. Die Ermittler warten weiter auf Informationen des in den USA sitzenden Betreibers des Chatrooms, um den Sachverhalt zu klären.

Zukunft der Realschule unklar

Die Schüler der Albertville-Realschule müssen vom kommenden Montag an wieder zum Unterricht - aber an anderen Schulen. Ob in der Realschule jemals wieder unterrichtet wird, sei noch unklar, sagte Kultusminister Helmut Rau (CDU).

Nach Angaben Rechs gab es seit dem Amoklauf allein in Baden- Württemberg 52 Trittbrettfahrer, die die Polizei mit Drohungen in Atem hielten. Gegen fünf Nachahmungstäter wurde Haftbefehl erlassen. "Wir müssen davon ausgehen, dass mit weiteren Trittbrettfahrern zu rechnen ist", sagte Rech.

Oettinger brachte auch ein schärferes Waffengesetz ins Gespräch. Es sei denkbar, dass "die Hürde, wann, wer, warum eine Waffe rechtmäßig erwerben und auch benutzen kann, weiter angehoben wird." Innenminister Rech sieht auch den Vorschlag der Kanzlerin für stärkere Kontrollen als sinnvoll an. Er schränkte aber ein: "Die entscheidende Frage ist die Zuverlässigkeit des legalen Besitzers." Der Vater des 17-jährigen Schützen, ein Sportschütze, hatte die Tatwaffe im Schlafzimmer liegen lassen. Aus diesem Grund soll ihm die Waffenbesitzkarte entzogen werden. Das Landratsamt Waiblingen leitete ein Widerrufsverfahren zu der Karte ein, teilte die Behörde am Dienstagabend mit. Man zweifele an der Zuverlässigkeit des Mannes.

zen/DPA/AP AP DPA

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