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Amoklauf von Winnenden: Vater von Tim K. wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Die schreckliche Tat seines Sohnes, der 15 Menschen und sich selbst erschossen hat, wird Jörg K. wohl sein Leben lang anhaften. Nun muss er deswegen auch vor Gericht: Er wird wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

Der Amoklauf von Winnenden und Wendlingen hat für den Vater des Todesschützen Tim K. ein juristische Nachspiel. Weil Jörg K. die bei der Tat verwendete Pistole und Munition im Schlafzimmer aufbewahrte, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen 15-facher fahrlässiger Tötung, wie eine Sprecherin am Freitag in Stuttgart mitteilte. Der Unternehmer habe die Tat seines Sohnes fahrlässig ermöglicht und gegen das Waffengesetz verstoßen. Ihm wird auch fahrlässige Körperverletzung in 13 Fällen zur Last gelegt.

Das Waffengesetz schreibt vor, dass Waffen und Munition so aufbewahrt werden müssen, dass keine unbefugten Personen darauf Zugriff haben. Daher müsse etwa derjenige, der eine Waffe entgegen den Vorschriften aufbewahre, grundsätzlich mit einer Bestrafung wegen fahrlässiger Tötung rechnen, wenn mit der Waffe ein Mensch getötet werde, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Die Tat kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Bei dem Amoklauf am 11. März erschoss der 17-jährige Tim K. 15 Menschen und tötete sich selbst. An der Albertville-Realschule von Winnenden tötete er acht Schülerinnen und einen Schüler sowie drei Lehrerinnen. Auf der Flucht erschoss er einen Gärtner. Dann nahm er einen Autofahrer als Geisel und zwang ihn, nach Wendlingen zu fahren. In einem Autohaus erschoss der 17-Jährige einen Autoverkäufer und einen Kunden. Insgesamt gab er 113 Schüsse ab. Außerdem fanden die Ermittler 171 nicht abgefeuerte Patronen an den Tatorten.

Staatsanwaltschaft will Grundsatzentscheidung

Tim K. war vor der Tat in psychiatrischer Behandlung. Welche Rolle dieser Umstand in dem Verfahren gegen seinen Vater spielt, war zunächst unklar. "Ob darüber hinaus schulderhöhende Umstände vorliegen, wird in der Hauptverhandlung zu klären sein", erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. Dies gelte etwa für die Frage, ob der Vater aufgrund konkreter Anhaltspunkte die Gefahr eines Missbrauchs der Tatwaffe durch Tim K. hätte erkennen können und erkennen müssen.

AP / AP