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Amokschütze von Winnenden: Mitschüler von Tim K. relativiert seine Aussage

Im Prozess um den Amoklauf von Winnenden relativierte ein Mitschüler von Tim K. seine Aussage. Er erinnere sich nicht mehr, woher der Amokschütze die Munition herholte, die er ihm zeigte.

Im Prozess gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden vor dem Landgericht Stuttgart herrscht weiterhin Unklarheit über den Zugang des Amokläufers zum Waffentresor des Vaters. Ein ehemaliger Mitschüler des Amoktäters behauptete am Dienstag vor Gericht, er könne sich nicht mehr an seine früheren Aussagen bei der Polizei erinnern, wonach der Amoktäter den Code zum Waffentresor kannte. Darüber hinaus relativierte der 20-Jährige eine weitere Aussage seiner Vernehmung, wonach der Schütze Tim K. Munition aus einem der Tresore des Vaters geholt und ihm gezeigt hätte. Tim K. hätte die Patronen auch von einem anderen Ort holen können, fügte der ehemalige Mitschüler hinzu.

Anschließend hatte die ehemalige Deutschlehrerin des Amokläufers am Waiblinger Berufskolleg ausgesagt, dass das Thema Amoklauf rund zwei Monate vor der Bluttat in Winnenden und Wendlingen in ihrem Unterricht behandelt wurde. Grundlage hierfür sei ein Medienbericht zum Erfurter Amoklauf von 2002 gewesen, sagte die 50-Jährige. Auch Waffen seien ein Gesprächsthema im Unterricht gewesen. Zwar habe sich der sonst sehr zurückgezogene Schüler auf Nachfrage geäußert, er habe aber lediglich über den korrekten Umgang mit Waffen in seinem Schützenverein berichtet.

Die Lehrerin beschrieb den Amoktäter als einen zurückgezogenen, verklemmten und "spätpubertierenden" Schüler, der wie andere Jungs seiner Klasse Berührungsprobleme mit Mädchen gehabt habe. Nach der Tat sei sie "völlig geschockt" gewesen, dass ihr zuvor nichts aufgefallen sei. Nun müsse sie damit kämpfen, dass sie nicht in jedem unauffälligen Schüler Amokläufer sehe, sagte sie.

Der Vater von Tim K. muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Der 17 Jahre alte Schüler hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Viele der Opfer starben durch Kopfschüsse. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet.

DAPD / dapd