Amstetten Inzest-Vater ist verurteilter Vergewaltiger


Josef Fritzl ist bereits vor rund 40 Jahren wegen der Vergewaltigung einer jungen Frau verurteilt worden. Dies belegen Gerichtsunterlagen, die einer österreichischen Zeitung vorliegen. Unterdessen erzählen immer mehr Ex-Mieter vom Leben im Horror-Haus und von ihrem Vermieter Josef Fritzl.

Der Inzest-Täter Josef Fritzl ist vor rund 40 Jahren wegen der Vergewaltigung einer jungen Frau verurteilt worden. Dies belegen jetzt wieder aufgetauchte Gerichtsakten, wie die "Oberösterreichischen Nachrichten" Linz berichteten. Er habe sein 24 Jahre altes Opfer 1967 vergewaltigt. Außerdem habe er im gleichen Jahr versucht, eine damals 21 Jahre alte Frau bei einem Spaziergang in einen Wald zu zerren, um sie zu vergewaltigen. Nach Angaben des Blattes liegen der Justiz des Landes seit Mittwoch entsprechende Akten vor. Danach sei Fritzl der Polizei auch im Zusammenhang mit einem Fall von Exhibitionismus gemeldet worden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft St. Pölten gilt der Vorgang jedoch inzwischen als verjährt. Die Schwägerin Fritzls hatte bereits in einem Interview des Boulevard-Blatts "Österreich" erklärt, ihr Schwager sei bereits vor 40 Jahren wegen Vergewaltigung im Gefängnis gesessen.

Ex-Mieter berichten über Horror-Haus

Unterdessen hat sich ein ehemaliger Mieter des Hauses von Josef Fritzl geäußert. Er hat nach eigenen Angaben mehrmals verdächtige Geräusche aus dem Kellergeschoss gehört. Er habe gelegentlich Klopfen vernommen und Geräusche, als ob Gegenstände fallengelassen würden, sagte Alfred Dubanovsky der Nachrichtenagentur AP. Josef Fritzl habe ihm auch einmal gesagt, das Haus werde eines Tages noch Geschichte schreiben.

Der Mann wohnte von 1995 bis zum vergangenen Jahr im Erdgeschoss des Hauses im niederösterreichischen Amstetten, in dem Fritzl seine Tochter Elisabeth und drei mit ihr gezeugte Kinder im Keller eingekerkert hatte. Er habe Fritzl gefragt, ob die Geräusche von einer Gasheizung im Keller kämen, und dieser habe mit Ja geantwortet, sagte Dubanovsky. Alle Mieter hätten zustimmen müssen, dass sie den Keller nicht beträten, sagte Dubanovsky. Sie durften keine Fotos von diesem Bereich machen. Fritzl habe gedroht, jeden hinauszuwerfen, der gegen diese mündliche Vereinbarung verstoße.

Der britischen BBC sagte der Ex-Mieter, er habe neben Fritzl auch einen anderen Mann in den Keller des Hauses gehen sehen. Ihm sei gesagt worden, es sei ein Installateur. Bisher haben die Ermittler stets betont, dass niemand anderes als Fritzl Zugang zum Keller hatte und es auch keine Mitwisser oder gar Mittäter gebe.

Insgesamt wohnten seit 1984, dem Jahr, in dem das Inzest-Drama mit der Gefangennahme von Elisabeth begann, angeblich rund 100 Mieter in dem Haus. Die Ermittler suchen auf dem Grundstück mit moderner Sonartechnik nach weiteren möglichen Kellerräumen. Das gesamte Gelände werde durchkämmt, sagte Chefermittler Leopold Etz. Außerdem setzte die Polizei ihre Befragungen von früheren Hausbewohnern und Bekannten von F. fort. "Wir werfen ein weites Netz aus", sagte Etz. Es hätten sich einige Zeugen gemeldet, sagte Polizeichef Franz Polzer. "Wir wissen, dass Josef Fritzl in großen Supermärkten große Mengen Nahrungsmittel einkaufte", sagte Polzer. "Wir haben auch gehört, dass er manchmal die Nacht im Keller verbrachte - da überprüfen wir noch die Einzelheiten."

Ex-Mieter hatte zu hohe Stromrechnung

Dies scheint sinnvoll, denn die Ex-Mieter berichten über einige interessante und mysteriöse Einzelheiten aus dem Horror-Haus. So auch Sepp Leitner, der nach eigenen Angaben vier Jahre im Erdgeschoss lebte, direkt über dem Verlies. Niemand habe Zugang zum Keller gehabt, sagte er der österreichischen Zeitung "Die Presse".

Trotzdem berichtete Leitner über einige andere Details. So sollte er wohl über Jahre hinweg den Strom für die Bewohner des Verlieses bezahlen. Er habe jahrelang eine exorbitant hohe Stromrechnung gehabt, erzählt der Ex-Mieter. Statt einigen hunderten österreichischen Schilling, wie die der anderen Mieter, betrug sie 5000 Schilling (rund 400 Euro). Der Zähler sei auch weitergelaufen, wenn alle Stromquellen ausgeschaltet waren. Zwar versuchte Leitner diesen Umstand aufzuklären, auch mit einem Elektrotechniker, doch es blieb bei dem Versuch. Nun macht er sich schwere Vorwürfe. "Wenn ich weiter gebohrt hätte und nicht locker gelassen hätte, bis das Rätsel mit dem hohen Stromverbrauch komplett aufgeklärt ist, dann wäre man vielleicht schon viel früher auf das Versteck gekommen", sagte Sepp Leitner in dem Interview. "Ich hätte drauf bestehen müssen, dass ich genau weiß, wo das herkommt. Ich mach mir jetzt einen Vorwurf, warum ich nicht weitergeschaltet habe." Letztlich hat sich Leitner geweigert, die Rechnung zu bezahlen. Dies führte zu einem Streit mit Josef Fritzl und zum Rausschmiss aus der Wohnung.

Besonders angenehm war es wohl sowieso nicht, in dem Fritzl-Haus zu wohnen. Denn der Vermieter hatte angeblich die Schlüssel und den Zugang zu allen Wohnungen. Dies hatte schlimme Folgen, sagte Leitner. Ihm und den anderen Mietern seien wiederholt Lebensmittel aus der Küche gestohlen worden. Der Verdacht liegt nahe, dass Josef Fritzl womöglich mit diesem Essen seine Opfer versorgte. Wo genau Fritzl sonst die nötigen Lebensmittel einkaufte, ist bislang noch unklar. Aber für die vierköpfige Gruppe muss er oft im Supermarkt gewesen sein. Dies bestätigte auch Ex-Mieter Leitner. Er habe seinen Vermieter häufig gesehen "wie der zwischen 22 und 23 Uhr in den Garten gekommen ist, immer mit Einkaufs-Sackerln. Wenn der F. mit seinem grau-silbernen Mercedes gekommen ist, hat er immer was in der Hand gehabt."

mta/AP/DPA AP DPA

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