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Angeblicher Tod in der Hochzeitsnacht Mädchen soll weder Braut noch tot sein


Ein Mädchen im Jemen soll nach ihrer Zwangsheirat in der Hochzeitsnacht gestorben sein. Nun widersprechen jemenitische Behörden dieser Geschichte. Doch wer die Wahrheit sagt, bleibt unklar.

Im Jemen sind erhebliche Zweifel an dem von Menschenrechtlern und örtlichen Medien verbreiteten Bericht über den Tod einer acht Jahre alten Kindsbraut aufgekommen. Der Leiter des Jugendamtes der Stadt Haradh, Nabil Schalef, dementierte den Bericht am Dienstag in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur DPA. Die jemenitische Website "Al-Maschhad" hatte zuerst berichtet, das Mädchen sei beim erzwungenen Geschlechtsverkehr mit einem erwachsenen "Bräutigam" aus Saudi-Arabien gestorben.

Der Jugendamtsleiter Schalef sagte, er habe die Familie von Rawan gefunden. Das Kind sei nicht tot, und es sei von seinen Eltern auch nicht verheiratet worden. Rawan sei nicht acht, sondern elf Jahre alt. Die Schulabbrecherin lebt seinen Angaben zufolge in Haradh, einer Stadt in der Nähe der Grenze zu Saudi-Arabien, zusammen mit ihren Eltern und fünf Geschwistern.

Kein Mindestalter für Zwangsheirat

Die Verheiratung minderjähriger Mädchen ist im Jemen relativ weit verbreitet. Islamistische Politiker haben schon mehrfach die Einführung eines Mindestalters für die Zwangsverheiratung verhindert. 2008 sorgte der Fall der zehnjährigen Nudschud Ali für Aufsehen, die vor einem Gericht in Sanaa ihre Scheidung erstritt.

Im Fall der achtjährigen Rawan will der Vater, Mohammed Ibrahim Hassaan, nach Angaben eines Menschenrechtlers jetzt den Journalisten Mohammed Radhman verklagen. Jener hatte die Geschichte unter Berufung auf Nachbarn geschrieben. Radhman sagte arabischen Medien, seine Informanten seien bereit, vor Gericht auszusagen.

Leiter des Jugendamtes bleibt Erklärung schuldig

Schalef, der Leiter des Jugendamtes, konnte allerdings nicht erklären, wie er feststellen konnte, dass es sich bei der elfjährigen Rawan und ihren Angehörigen tatsächlich um die in Radhmans Bericht erwähnte Familie handelt. Denn der Journalist hatte den Familiennamen des Kindes nicht erwähnt.

Einige jemenitische Beobachter vermuteten deshalb, die Behörden versuchten, einen tragischen Vorfall, der die Beziehungen zu Saudi-Arabien belasten könnte, unter den Teppich zu kehren. Die Website "Al-Maschhad" blieb in einer Veröffentlichung in der Nacht zum Dienstag weiter bei ihrer Version der Ereignisse. Ein Mitarbeiter des Innenministeriums in Sanaa sagte, die Ermittlungen zu dem Fall liefen noch.

tkr/DPA DPA

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