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Angriff auf Einkaufszentrum: Terroristen töten Dutzende Menschen in Nairobi

Mit Schusswaffen und Handgranaten ausgerüstet haben Terroristen ein Einkaufszentrum in Nairobi gestürmt. Dabei sollen bis zu 30 Menschen getötet worden sein. Viele weitere wurden verletzt.

Ein Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt ist nach Angaben der Polizei von "Terroristen" angegriffen worden. Dabei gab es viele Todesopfer. Das Rote Kreuz sprach von 30 Toten, die Regierung Kenias von elf. Die mit Gewehren und Handgranaten bewaffneten Angreifer hatten das vor allem bei reichen Einheimischen und Ausländern beliebte Zentrum am Nachmittag überfallen und auch Geiseln genommen.

Etwa 60 Menschen wurden nach Angaben des Roten Kreuzes verletzt. Der Einsatz der Sicherheitskräfte war am Abend noch im Gange: "Die Polizei versucht weiter, Menschen aus dem Gebäude zu bekommen", hieß es von offizieller Seite. Schon kurz nach dem Überfall hatte die Polizei des ostafrikanischen Landes von einem möglichen terroristischen Hintergrund gesprochen.

Al-Shabaab-Miliz aus Somalia bekennt sich via Twitter

Am Abend bekannte sich die islamistische al-Shabaab-Miliz aus Somalia via Twitter zu dem Anschlag. Die mit dem Terrornetzwerk al-Kaida verbündeten Aufständischen verbreiteten über den Kurznachrichtendienst die Mitteilung: "Die Mujahedin drangen heute gegen Mittag in die Westgate Mall ein und sind noch immer in dem Einkaufszentrum", ihr Kampf gelte den kenianischen Ungläubigen. "Was die Kenianer im Westgate-(Einkaufszentrum) erleben, ist ausgleichende Gerechtigkeit für Verbrechen, die ihre Armee verübt hat", hieß es weiter.

Al-Schabaab erklärte, Kenia wiederholt dazu aufgefordert zu haben, Truppen aus Somalia abzuziehen. "Die kenianische Regierung ignorierte unsere Warnungen und massakrierte weiter unschuldige Muslime in Somalia", hieß es auf Twitter. Kenianische Truppen waren vor zwei Jahren in das Nachbarland eingedrungen, um bei der Bekämpfung militanter Gruppen zu helfen. Seitdem gibt es auch Anschlagsdrohungen gegen Hotels und Nachtclubs in Kenia. Die Extremisten hatten auch explizit damit gedroht, die bei Ausländern beliebte Westgate Shopping Mall anzugreifen, die am Wochenende stets gut besucht ist. Der Twitter-Account von al-Schabaab wurde am Abend gesperrt.

18 maskierte Täter seien in das Gebäude eingedrungen und hätten um sich geschossen, hatte es am Nachmittag von Polizei geheißen. Außerdem hätten die Angreifer Geiseln genommen. Augenzeugen berichteten von einer schweren Explosion. Auf Bildern, die von Nachrichtenagenturen verbreitet wurden, offenbaren sich chaotische Szenen. Blutüberströmte Verletzte werden in Sicherheit gebracht, leblose Körper liegen auf dem Boden, Menschen mit Schusswunden werden erstversorgt.

Somalischer Präsident: "Schulter an Schulter mit Kenia"

Der somalische Präsident Hassan Sheik Mohamud sprach der kenianischen Regierung sein Mitgefühl aus. "Wir in Somalia kennen den menschlichen Preis solcher Gewalt nur zu gut", schrieb er in einer Stellungnahme. "Diese herzlosen Taten gegen hilflose Zivilisten dürfen nicht hingenommen werden". Somalia stehe "Schulter an Schulter" mit dem Nachbarland Kenia, versicherte er.

Angreifer haben Geiseln in ihrer Gewalt

Inspektor David Kimaiyo von der Nationalpolizei sagte, Sicherheitskräfte hätten das Westgate-Einkaufszentrum umstellt und stünden zur Erstürmung bereit. Auf dem Parkplatz lägen drei Leichen, ergänzte er. Das Innenministerium teilte mit, die Beamten würden auch aus der Luft unterstützt.

"Wir haben eine große Schießerei gehört und sind weggerannt", berichtete ein Augenzeuge. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen in Panik aus dem exklusiven stürmten und Schutz suchten. Manche lagen sich schockiert in den Armen.

Eine Supermarktkette, die in dem Gebäude eine Filiale betreibt, bestätigte, dass einige Kunden als Geiseln genommen worden seien. Die Täter hätten aber bislang keine Forderungen gestellt. "Wir wissen nicht, wie viele Menschen verletzt worden sind. Die Angreifer sind schwer bewaffnet und schießen aus allen Ecken", sagte ein Sprecher des . Die Täter hätten das Einkaufszentrum unter ihre Kontrolle gebracht.

Auswärtiges Amt rät zur Vorsicht

Das Westgate-Einkaufszentrum außerhalb Nairobis wurde 2007 eröffnet. Es beherbergt nach Angaben der Betreiber mehr als 80 Geschäfte, ein Kino mit mehreren Sälen sowie ein Kasino. Auf der Homepage beschreibt es sich als "ruhigen und sicheren" Ort. Laut Medienberichten ist das Zentrum ein beliebter Treffpunkt für wohlhabende Kenianer und im Land lebende Ausländer.

Ausufernde Kriminalität ist eines der Hauptprobleme Nairobis. Das Auswärtige Amt reagierte umgehend auf den Vorfall: "Bis zur Klärung der Hintergründe wird dringend empfohlen, sich mit erhöhter Umsicht in der Stadt zu bewegen und die lokale Medienberichterstattung zu verfolgen." Bestimmte Gegenden der Metropole sollten auch bei Tag gemieden werden. Zu den größten Missständen zählen die erschütternde Armut und die schlechte Lebenssituation vieler Hauptstädter. Über 60 Prozent der mehr als 3,5 Millionen Einwohner Nairobis leben in Slums.

ono/anb/sas/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters