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Angriff mit Panzerfäusten: Piraten kapern deutschen Chemietanker

Piraten haben vor der Küste des Omans einen deutschen Chemietanker gekapert. Die Angreifer setzten laut EU-Marinemission "Atalanta" auch Panzerfäuste ein, um die "Marida Marguerite" in ihre Gewalt zu bringen. Den 22 Seeleuten an Bord - allesamt nicht aus Deutschland - soll es gut gehen.

Ein deutscher Chemietanker ist vor der Küste von Oman im Indischen Ozean von Piraten entführt worden. Das unter der Flagge der Marshall-Inseln fahrende Schiff "Marida Marguerite" einer deutschen Reederei sei 120 Seemeilen (222 Kilometer) südlich von Salalah mutmaßlich von Somaliern gekapert worden, teilte die EU-Mission "Atalanta" am Samstag in Brüssel mit. Die Piraten hätten Panzerfäuste benutzt, um das Schiff zu entern.

Zudem hätten die Piraten auch mit automatischen Waffen geschossen, teilte "Atalanta" weiter mit. Auf dem Tanker befindet sich den Angaben zufolge eine 22-köpfige Crew. Es handelt sich um 19 Inder, einen Ukrainer und zwei Bangladescher, ihnen soll es gut gehen.

Militär hält sich noch zurück

Ein vorbeifahrendes Schiff habe versucht, Funkkontakt aufzunehmen, teilte "Atalanta" mit. Sie hätten von der Schiffsbrücke aber die Antwort bekommen, fernzubleiben. Vermutlich hätten sich nicht alle Seeleute in einem Schutzraum in Sicherheit bringen können, deshalb sei ein militärisches Eingreifen zunächst nicht geplant, erklärte ein "Atalanta"-Sprecher. Die Situation werde weiter aufmerksam beobachtet. Das Einsatzführungskommando in Potsdam bestätigte den Vorfall. Die "Marida Marguerite", ein 13.000-Tonnen-Schiff, war auf dem Weg von Indien nach Belgien.

Die Gewässer am Horn von Afrika gelten als extrem gefährlich. In den vergangenen Monaten wurden dort immer wieder Schiffe von Piraten gekapert, die Lösegeld forderten. So wie Freitag, als Seeräuber vor der Küste Somalias ein taiwanisches Fischerboot entführten.

Auch deutsche Schiffe sind immer wieder darunter. Erst vor wenigen Tagen hatten niederländische Marinesoldaten das Containerschiff "Taipan" aus der Gewalt somalischer Piraten befreit. Unter der Besatzung, die unverletzt blieb, waren auch zwei Deutsche.

300 Geiseln in der Gewalt von Piraten

Mitte März war ein deutsches Containerschiff im Indischen Ozean einem Piratenangriff nur knapp entkommen. Die unter liberianischer Flagge fahrende "MV Lübeck" war auf dem Weg nach Oman gewesen, als Seeräuber sie gut 800 Kilometer nordöstlich der Seychellen beschossen.

Weniger Glück hatte das deutsche Containerschiff "Hansa Stavanger", das vor gut einem Jahr in die Gewalt von Piraten geriet. Die 24-köpfige Besatzung, darunter fünf Deutsche, und das Schiff wurden erst Monate später gegen Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von 2,7 Millionen Dollar (2,1 Millionen Euro) freigegeben.

Piraten halten nach Überfällen vor der Küste Ostafrikas zurzeit mehr als 300 Geiseln fest. Wegen rechtlicher Unklarheiten ließ Russland am Freitag zehn Seeräuber frei, die bei der Befreiung eines gekaperten Öltankers durch Sondereinsatzkräfte eines russischen Kriegsschiffs gefangen genommen wurden. Ein Pirat kam bei der Aktion ums Leben. Die Europäische Union geht mit der Mission "Atalanta" im Seegebiet vor Somalia gegen Piraten vor. An dieser Mission beteiligt sich die Bundeswehr derzeit mit rund 230 Soldaten und einer Fregatte.

AFP/DPA/APN/Reuters / DPA / Reuters