Angst vor Rhein-Hochwasser Stadt Köln will U-Bahn-Baustelle notfalls fluten


Selbst der Rosenmontag hat in Köln nicht von den Sorgen um Pfusch und Betrug beim U-Bahn-Bau ablenken können. Im Gegenteil: Sollte das Frühjahrs-Hochwasser des Rheins heftig ausfallen, denkt die Stadt darüber nach, eine Baugrube zu fluten. Dies sei die beste Methode, den instabilen Schacht zu festigen.

Nach Berichten über organisierten Betrug beim U-Bahnbau wächst in Köln die Nervosität. Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) kritisierte am Montag die federführende Baufirma und forderte eine Stellungnahme. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) denken als Bauherr schon über die Flutung einer besonders gefährdeten Baugrube im Falle eines Rhein-Hochwassers nach.

Roters verlangte vom Vorstandschef der federführenden Baufirma Bilfinger Berger, Herbert Bodner, eine Stellungnahme zu den jüngsten Enthüllungen. Das sei das Unternehmen der Kölner Bevölkerung schuldig: "Täglich wächst die Angst, weil immer neue Mängel bei der Bauausführung bekannt werden", schrieb Roters. Der Pfusch beim Bau der neuen U-Bahn-Linie gilt auch als Auslöser für den Einsturz des Historischen Stadtarchivs vor fast genau einem Jahr.

Baustelle wird für Hochwasser vorbereitet

Unterdessen sorgen sich die Kölner um die Stabilität der Baustellen bei Hochwasser. Während am Rosenmontag Hunderttausende Narren das Zentrum bevölkerten, war die Stadt damit beschäftigt, die innerstädtischen Baustellen gegen Hochwasser zu sichern. "Wir haben bereits mit vorsorglichen Stabilisierungsarbeiten begonnen", sagte Stadtdirektor Guido Kahlen.

Die KVB teilten am Montagabend mit, dass sie die U-Bahn-Baustelle am Heumarkt in der Innenstadt fluten wollen, wenn das Hochwasser des Rheins zur Gefahr werden sollte. "Das ist eine gute Möglichkeit, die Standfestigkeit zu garantieren", sagte KVB-Sprecher Franz-Wolf Ramien.

Eisenwände an Schrotthändler verkauft

Wegen Pfuschs am Bau droht die Baustelle instabil zu werden, wenn der Rheinpegel deutlich über vier Meter steigt und das Grundwasser dann gegen die Wände drückt. Am Donnerstag war bekannt geworden, dass in diesen Wänden teilweise 83 Prozent der stabilisierenden Eisenbügel fehlen. Arbeiter sollen diese an Schrotthändler verkauft haben.

Nach Zeitungsberichten wächst der Verdacht auf systematischen Betrug beim U-Bahnbau. Mittlerweile seien schon falsche Vermessungsprotokolle für 28 sogenannte Schlitzwände in den Baugruben entdeckt worden, berichteten der "Kölner Stadt-Anzeiger" und die "Kölnische Rundschau".

Stellungnahmen "unbefriedigend"

Roters hielt dem Bilfinger-Berger-Chef vor, dessen Äußerungen zu den offenbar gefälschten Protokollen stießen bei ihm auf Unverständnis: "Bei einem sicherheitsrelevanten Bauvorhaben wie der Nord-Süd-Stadtbahn Köln erwarte ich einen anderen Umgang mit Messergebnissen", kritisierte der Oberbrügermeister. Bodner hatte gesagt, bei der Erstellung der Protokolle seien "vielleicht aus Software-Unverständnis" Fehler gemacht worden.

Der KVB-Vorstand hatte die in einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) vereinten Baufirmen aufgefordert, bis zu diesem Montag Fragen zur Sicherheitslage an den U-Bahnbaustellen zu beantworten. Die eingegangenen Antworten seien jedoch "unbefriedigend", erklärte KVB-Sprecher Ramien.

DPA/dho DPA

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