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Anklage wegen versuchter Vergewaltigung Verfahren gegen Strauss-Kahn eingestellt


Dominique Strauss-Kahn ist ein freier Mann. Ein New Yorker Gericht beendete das Verfahren gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft hatte massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers.

Ein New Yorker Gericht hat die Klage gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, fallengelassen. Richter Michael Obus gab in New York einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt. Strauss-Kahn war vorgeworfen worden, Mitte Mai ein Zimmermädchen in einem Hotel der Stadt gewaltsam zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Grund für die Entscheidung des Richters war vermutlich nicht die bewiesene Unschuld Strauss-Kahns, sondern lediglich die mangelnde Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers und der einzigen Zeugin. Sie hatte in der Vergangenheit in anderen Angelegenheiten mehrfach gelogen und auch zu dem Tatverlauf widersprüchliche Angaben gemacht.

Aus den Indizien lässt sich Rechtsexperten zufolge nicht ableiten, ob die sexuellen Handlungen erzwungen oder - wie von Strauss-Kahn behauptet - einvernehmlich waren.

Staatsanwalt zweifelte an der Aussage des Zimmermädchens

Zuvor hatte bereits die New Yorker Staatsanwaltschaft ihre Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn wegen versuchter Vergewaltigung offiziell zurückgezogen. Oberstaatsanwalt Cyrus Vance hatte daraufhin den zuständigen Richter Michael Obus am späten Montag gebeten, das Verfahren gegen den Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds zu schließen. In seiner Begründung beschreibt der Staatsanwalt das angebliche Opfer, das Zimmermädchen Nafissatou Diallo aus Guinea, habe mehrfach gelogen.

Das 25-seitige Dokument wurde auf der Internetseite der New Yorker Justiz veröffentlicht. Darin erläutert der Ankläger, dass er sich nicht in der Lage sehe, das Verfahren fortzusetzen. Das Zimmermädchen, das Strauss-Kahn der sexuellen Gewalt bezichtigt, habe bei wiederholten Vernehmungen zu großen und zu kleinen Fragen "durchgehend und manchmal unverständlich" die Unwahrheit gesagt.

Drei verschiedene Versionen des Geschehens

Da aber der Fall gegen den einst mächtigsten Banker der Welt mit der Aussage der einzigen Zeugin "steht und fällt", sehe er keinen anderen Weg, als die Anklage aufzugeben, schreibt Vance. Diallo erregte mit ihrer ersten Schilderung vom angeblichen Tathergang keinen Verdacht, verteidigt sich der Staatsanwalt. Bei weiteren Nachfragen habe sie dann aber bis zu drei verschiedene Versionen von wichtigen Details geliefert.

Das mache es der Staatsanwaltschaft unmöglich, die Anklage gegen Strauss-Kahn zweifelsfrei vor einer Jury zu vertreten. Unter anderem sei fraglich, ob das "Opfer" den angeblich unfreiwilligen Oralsex tatsächlich gegen ihren Willen und gewaltsam erzwungen durchführte. Die Zeugin sei sogar unter Eid von der Wahrheit abgewichen, räumt Vance ein.

Am schwersten wogen offensichtlich ihre falschen Angaben in ihrem Asylantrag, wonach sie schon einmal in Guinea Opfer einer Vergewaltigung geworden sei. In einer Sitzung mit den Ermittlern wirkte sie bei der Nacherzählung dieser Geschichte so überwältigt, dass sie selbst die Staatsanwälte zu Mitleid rührte. Später dann habe sie zugegeben, dass sie den "Angriff frei erfunden" habe. Diese "Fähigkeit, diese erfundene Geschichte mit völliger Überzeugung als wahr auszugeben", hätte die Verteidigung in einem Prozess erfolgreich ausschlachten können. "Es fällt uns schwer, um den Abschluss des Verfahrens zu bitten", gesteht Manhattans Oberstaatsanwalt in dem Schreiben. Aber er habe keine andere Wahl.

Der 62-jährige Franzose hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Die Anwälte von Strauss-Kahn begrüßten die Ankündigung der Staatsanwaltschaft. "Herr Strauss-Kahn und seine Familie sind dankbar, dass die Staatsanwaltschaft unsere Bedenken ernst genommen hat und von selbst zu dem Schluss gekommen ist, diesen Fall nicht weiter zu verfolgen", teilten seine beiden Verteidiger mit.

Fest stand bereits, dass der Franzose am Dienstag seine Pässe zurückerhalten würde und dann als freier Mann in seine Heimat zurückkehren könnte. Dort wartet zwar eine zweite Klage wegen angeblich sexueller Gewalt auf ihn, aber auch die Aussicht auf eine neue politische Karriere. Vor seiner Haft hatte Strauss-Kahn als aussichtsreicher Kandidat der Sozialisten für das Amt des französischen Präsidenten gegolten. Wie schnell er die New Yorker "Sexaffäre" und den neuen Fall in seiner Heimat abschütteln kann, bleibt abzuwarten.

iml/AFP/DPA/Reuters DPA Reuters

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