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Anschlag am Frankfurter Flughafen: Arid U. gesteht mit leiser Stimme

Der Frankfurter Flughafenattentäter hat gestanden, zwei US-Soldaten getötet und zwei weitere schwer verletzt zu haben. Eine Erklärung für seine Bluttat lieferte Arid U. zum Prozessbeginn jedoch nicht.

Arid U. spricht so leise, dass seine Worte im Gerichtssaal kaum zu verstehen sind. Doch sie sind eindeutig: "Es trifft zu, was mir in der Anklage vorgeworfen wird", liest der 21-Jährige von dem handschriftlich verfassten Text in seiner Hand ab. Der gebürtige Kosovare räumt am Mittwoch zum Auftakt des Prozesses um den tödlichen Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen ein, zwei Menschen getötet und zwei weitere schwer verletzt zu haben. Allerdings zeigt das Gericht auch unverhohlen Zweifel daran, dass der 21-Jährige es wirklich offen und ehrlich meint.

Die Tat gilt als erster tödlicher Anschlag mit islamistischem Hintergrund in Deutschland. Arid U. wird als Einzeltäter eingestuft, der durch islamistische Propaganda im Internet zu seinem Plan angestachelt worden sein soll. Als Auslöser für den Anschlag schildert Arid U. vor Gericht selbst ein Video, das angebliche Vergewaltigungen muslimischer Frauen durch US-Soldaten zeigt. Am Abend des 1. März will er dies gesehen haben - und danach soll er laut Anklage den Plan gefasst haben, möglichst viele US-Soldaten zu töten.

Mit dem Linienbus zum Flughafen

Minutiös legt die Bundesanwaltschaft am Mittwoch dar, wie Arid U. am 2. März vorgegangen sein soll: Um 13.24 Uhr fuhr er demnach mit einem Linienbus zum Flughafen, wo er in einem Postzentrum arbeitete. Um 14.48 Uhr sah er im Terminal zwei des Airports an der Gepäckausgabe zwei US-Soldaten, denen er bis zu einem Armeebus folgte. Er bat dort einen Soldaten um eine Zigarette, um sich nach ihrem Einsatzort zu erkundigen. Als er erfuhr, dass die Truppe auf dem Weg nach Afghanistan war, soll er seinen Plan in die Tat umgesetzt haben.

Um 15.17 Uhr soll er zunächst einen 25-jährigen Soldaten aus einer Entfernung von eineinhalb Metern hinterrücks in den Kopf geschossen haben. Danach tötete er laut Anklage einen 21-Jährigen mit einem Kopfschuss und verletzte zwei 21 und 25 Jahre alte Soldaten lebensgefährlich. Als er auf einen 22-Jährigen zielte, soll seine Pistole eine Ladehemmung gehabt haben. Arid U. flüchtete in den Flughafen und wurde dort von Beamten der Bundespolizei festgenommen.

"Ich verstehe selbst nicht, wie ich so weit kommen konnte", sagt Arid U. vor Gericht. Er schildert auch seinen Lebensweg: Im Alter von drei oder vier Jahren kam er mit seinen Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland. Er machte den Realschulabschluss, brach das Gymnasium dann aber in der zwölften Klasse ab. Er litt damals nach eigenen Worten unter Depressionen. Er leistete ein freiwilliges soziales Jahr beim Grünen Halbmond und arbeitet außerdem im Postzentrum am Flughafen. Die Freizeit verbrachte er meist vor dem Computer.

Ein Video soll Arid U. zur Tat getrieben haben

Mehr und mehr wandte er sich in dieser Zeit nach eigener Darstellung dem radikalen Islam zu. Als er schließlich am Abend des 1. März das Video mit den angeblichen Vergewaltigungen sah, war er nach eigenen Worten "völlig schockiert". Den Wahrheitsgehalt habe er nicht eine Sekunde in Zweifel gezogen. Wie dies aber zu seiner brutalen Tat führen konnte, kann er nicht erklären.

Er wisse, dass es auch gegen seinen Glauben sei, sagt der Angeklagte. Er habe zudem gelesen, dass Menschen seine Taten gut hießen. "Das sind die selben Leute, von deren Lügen und Propaganda ich geblendet war." Es solle aber niemand durch seine Tat motiviert werden, etwas Ähnliches zu tun, sagte er. Dem Gericht kündigt er an, alle Fragen beantworten zu wollen.

Doch Arid U. antwortet nicht auf alle Fragen. So will er zum Beispiel keine Angaben dazu machen, wie er an die Waffe gekommen ist. Arid U. kann sich nach eigenen Worten auch nicht genau daran erinnern, wie die Tat abgelaufen ist. Der Vorsitzende Richter Thomas Sagebiel nennt das "sonderbar." Er appelliert unmissverständlich an den 21-Jährigen: "Sie tun sich überhaupt keinen Gefallen, wenn Sie nicht schonungslos offen und ehrlich sind."

Carsten Hauptmeier, AFP / AFP
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