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Anschlag auf Deutsche-Bank-Chef: Sendung an Ackermann war "funktionsfähige Briefbombe"

Jetzt ist es definitiv: Bei der verdächtigen Post an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann handelte es sich um eine "funktionsfähige Briefbombe".

Die Sendung an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann war eine "funktionsfähige Briefbombe". Das teilten das hessische Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach ersten Untersuchungen am Donnerstag gemeinsam in Wiesbaden mit. Die Untersuchungen dauern noch an. Einzelheiten zur Zusammensetzung des Inhalts könnten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gesagt werden.

Die Sendung war am Mittwoch in Frankfurt/Main abgefangen worden. Ein Sprecher der Polizei Frankfurt sagte am Donnerstag, es sei Pulver gefunden worden, das entzündlich sei und in die Luft gehen könne. Das Pulver hätte beim Öffnen des braunen Umschlags "aber mit Sicherheit gefährlich werden können", und Verbrennungen an Hand, Gesicht und Oberkörper verursachen können, so der Sprecher. Es deute nichts auf einen "gewerblichen oder militärischen Sprengstoff hin", sondern auf "Eigenbau", etwa aus Feuerwerkskörpern.

Die Sendung in der Größe DIN C5 sei am Nachmittag eingegangen und aufgefallen, weil sie "nicht ins Raster gepasst habe". Die Deutsche Bank bestätigte den Eingang einer verdächtigen Sendung. Keine Stellungnahme gab es dazu, wer hinter der Sendung stehen könnte.

Ackermann gilt für viele in Deutschland als das Gesicht des Kapitalismus. Auch als Vorsitzender der internationalen Bankenvereinigung IIF ist der Schweizer in der Euro-Schuldenkrise in den Medien stark präsent. Sein Einsatz für die Belange der Finanzbranche hat ihn bei Bankenkritikern seit längerem zur Zielscheibe der Kritik gemacht. Das bankenkritische Protestbewegung Occupy und das Netzwerk attac haben sich von dem versuchten Anschlag distanziert. "Wir verurteilen jegliche Aktionen, die irgendwie mit Gewalt zu tun haben", sagte Frank Stegmaier von Occupy Frankfurt am Donnerstag. "Occupy hat andere Möglichkeiten des Protests." Die Bewegung hat seit dem 15. Oktober in der Grünanlage vor der Europäischen Zentralbank ein Protestcamp errichtet. Auch die Globalisierungskritiker von attac distanzierten sich. "Es gibt bei uns einen ganz klaren Konsens: Von uns geht keine Gewalt aus", sagte attac-Sprecherin Frauke Distelrath.

FBI schaltet sich in Ermittlungen ein

Weitere Informationen über die Sendung kamen von einem hochrangigen Mitarbeiter der US-Strafverfolgungsbehörden. Ihm zufolge enthielt die Sendung vorläufigen Untersuchungen zufolge Sprengstoff und Bombensplitter. Nach Informationen des US-Mitarbeiters war als Rücksendeadresse die ebenfalls in Frankfurt ansässige Europäische Zentralbank angegeben worden.

Bankenkreisen zufolge verstärkte die Deutsche Bank weltweit ihre Vorkehrungen. Demnach wird mehr Sicherheitspersonal eingesetzt. Ackermann wird als einer der wenigen Manager in Deutschland wird er von Leibwächtern geschützt. Die Finanzmetropole New York befindet sich in erhöhter Alarmbereitschaft. Auch die Bundespolizei FBI schaltete sich in die Ermittlungen ein: "Die FBI-Ermittlungsgruppe für Terrorismus arbeitet mit den deutschen Behörden zusammen, um den Vorfall in Frankfurt aufzuklären und mögliche Bedrohungen gegen Menschen oder Einrichtungen auszumachen", sagte ein FBI-Sprecher der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die New Yorker Polizei verschickte indes eine Warnung an Wall-Street-Unternehmen, dass sie bei Paketen "besonders vorsichtig" sein sollten. Das bestätigte ein Polizeisprecher.

dho/swd/mlr/Reuters/DPA / DPA / Reuters