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Anschlag auf Synagoge in Halle Attentäter Stephan B. entkommt Aufsehern und ist fünf Minuten alleine

Halle-Attentäter Stephan B.
Stephan B. wurde am 10. Oktober 2019 zum Bundesgerichtshof gebracht. Sein Geständnis dort bildete den Auftakt zu den monatelangen Ermittlungen des Bundeskriminalamtes
© Uli Deck / DPA
Zwischenfall beim Hofgang: Der Attentäter von Halle konnte über den Zaun eines Freistundenhofs klettern und war für etwa fünf Minuten unbeaufsichtigt. Die zuständigen Mitarbeiter wurden versetzt.

Der Attentäter des versuchten Anschlags auf eine Synagoge in Halle ist während seiner Untersuchungshaft für mehrere Minuten seinen Aufsehern entkommen. Am Samstagnachmittag sei Stephan B. über einen Zaun des Freistundenhofs des Gefängnis' von Roter Ochse in Halle geklettert und habe sich etwa fünf Minuten unbeaufsichtigt im Innenbereich bewegt, teilte das Justizministerium mit. Anschließend nahmen ihn die Aufseher wieder in Gewahrsam. B. soll dabei keinen Widerstand geleistet haben.

Erst am Dienstag über Vorfall informiert

Laut Justizministerium darf der Attentäter seine kameraüberwachte Zelle eigentlich nicht ohne Aufsicht verlassen. Das Ministerium wurde laut Mitteilung erst am Dienstag über den Vorfall informiert und arbeitet ihn demnach noch auf. Als erste Konsequenz wurden die für die Aufsicht zuständigen Mitarbeiter in andere Bereiche versetzt.

B. hatte am 9. Oktober 2019 - am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur - schwer bewaffnet versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Er schoss auf eine Holztür und warf Sprengsätze. Als er es nicht schaffte, in die Synagoge zu gelangen, erschoss er auf offener Straße eine 40 Jahre alte Frau und im Anschluss in einem nahen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Mann, zwei weitere Menschen verletzte er auf seiner Flucht schwer. Die Ermittler gehen davon aus, dass B. aus antisemitischen und rassistischen Motiven handelte.

Angeklagter B. schuldfähig

Einem psychiatrischen Gutachten zufolge, ist B. voll schuldfähig. Nach vorläufiger Bewertung sei "nicht ersichtlich, dass die Fähigkeit des Angeschuldigten, das Unrecht seiner Taten einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln, bei den Taten aufgehoben war", heißt es in einem Beschluss des Bundesgerichtshofs. Der zuständige ist überzeugt, dass B. die Passantin und den jungen Mann heimtückisch tötete. Dass er die Taten nicht geplant und seine Opfer zufällig ausgewählt habe, ändere daran nichts.

Der Prozess gegen ihn soll am 21. Juli beginnen. Vor dem Oberlandesgericht Naumburg muss er sich wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs verantworten.

nik/DPA/AFP

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