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Anschlag auf Zug: Maoistische Rebellengruppe bedroht Indien

Zu dem Anschlag auf einen Hochgeschwindigkeitszug im Nordosten Indiens, bei dem am Freitag mindestens 71 Menschen getötet wurden, hat sich eine von Maoisten unterstützte Rebellengruppe bekannt. Die Maoisten sind in den vergangenen fünf Jahren zur größten Bedrohung für Indiens innere Sicherheit geworden.

Zu dem Anschlag auf einen Hochgeschwindigkeitszug im Nordosten Indiens, bei dem am Freitag mindestens 71 Menschen getötet wurden, hat sich eine von Maoisten unterstützte Rebellengruppe bekannt. Die Maoisten sind in den vergangenen fünf Jahren zur größten Bedrohung für Indiens innere Sicherheit geworden. Sie selbst sehen sich als Interessenwahrer benachteiligter Bevölkerungsschichten und landloser Bauern, die nicht vom Wirtschaftsboom des Schwellenlandes profitieren.

Die Ursprünge der maoistischen Rebellen können bis 1967 zurückverfolgt werden, als die Polizei in dem entlegenen Dorf Naxalbari in Westbengalen einen Aufstand niederschlug. Die Rebellen werden daher auch als "Naxaliten" bezeichnet. Sie breiteten sich unaufhaltsam aus und sind mittlerweile in 20 der 29 indischen Bundesstaaten aktiv. Etwa 10.000 bis 20.000 Rebellen sind in zahlreichen Untergruppen organisiert. Sie agieren vorzugsweise von Dschungelcamps aus, wo die Kämpfer im Umgang mit Waffen und auch ideologisch geschult werden.

Die maoistischen Rebellen finanzieren sich hauptsächlich mit Entführungen, Erpressung und Plünderungen. In manchen Gegenden bilden sie inoffizielle Regierungen, die Steuern eintreiben. Ihre Anschläge richten sich vor allem gegen Polizeipatrouillen, angebliche Informanten der staatlichen Sicherheitskräfte, Eisenbahnschienen, Schulen und Regierungsgebäude. Seit 2005 töteten die Rebellen nach Angaben des Innenministeriums mehr als 1200 Sicherheitskräfte und etwa 2600 Zivilisten. Bei Kämpfen mit den indischen Sicherheitskräften starben in dieser Zeit etwa 900 Rebellen.

In den vergangenen Jahren wurden die Anschläge der Maoisten spektakulärer. 2007 töteten sie einen Abgeordneten des Nationalparlaments und organisierten den Ausbruch von etwa 300 ihrer Kämpfer aus dem Gefängnis. 2008 versenkten sie ein Schiff mit Eliteeinheiten an Bord, 2009 nahmen sie vorübergehend die 300 Insassen eines Zuges als Geiseln. Im April starben beim bislang schwersten Anschlag der Rebellen 76 Polizisten. Die indische Regierung startete im November vergangenen Jahres mit mehr als 60.000 Sicherheitskräften eine Offensive gegen die maoistischen Rebellen, bislang mit wenig Erfolg.

AFP / AFP