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Anschlag in Kanada Attentäter galt als "hochgefährlich"


Die Schießerei mit zwei Toten in Ottowas Regierungsviertel hinterlässt Fragen: Gibt es einen islamistischen Hintergrund? Handelte der Täter allein? Das Land fürchtet nun weitere Anschläge.

Nach dem Attentat im Regierungsviertel der kanadischen Hauptstadt Ottawa mit zwei Toten sind die Hintergründe noch unklar. Kanadischen und US-Medien zufolge soll es sich bei dem bewaffneten Angreifer um den 32-jährigen Kanadier Michael Z. handeln, der den Behörden als "hochgefährlicher Reisender" bekannt gewesen sei. Mutmaßlich handelte er allein.

Den Berichten zufolge wurde ihm erst kürzlich der Pass entzogen. Wegen Raubes und Waffenbesitzes soll er zudem 2003 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden sein. In weiteren Medienberichten hieß es, er stehe auf einer Liste von 90 Personen, die wegen einer möglichen Terrorgefahr beobachtet werden. Der TV-Sender CNN berichtete unter Berufung auf nicht genauer beschriebene Quellen, der mutmaßliche Attentäter sei kürzlich zum Islam übergetreten.

Bei dem Attentat war ein Soldat an einem Kriegsdenkmal erschossen worden. Kurz darauf fielen im nahe gelegenen Parlamentsgebäude Schüsse, der Attentäter wurde getötet. Das kanadische Fernsehen zeigte dramatische Bilder aus dem Parlamentsgebäude: Schwer bewaffnete Polizeibeamte rannten geduckt über die Gänge, als Schüsse fielen. Abgeordnete und Parlamentsmitarbeiter verbarrikadierten sich in Büros. Parlamentarier twitterten, dass etwa 30 Schüsse zu hören gewesen seien. Drei Menschen wurden im Krankenhaus behandelt, konnten dieses aber nach Angaben der Klinik kurz darauf wieder verlassen.

Harper will sich stärker gegen IS engagieren

Ministerpräsident #link;www.stern.de/sport/stephen-harper-90347568t.html;Stephen Harper,# der sich am Mittwoch zum Zeitpunkt des Anschlags im Parlament befand, nannte die Tat "brutal und gewalttätig". "Angriffe auf unser Sicherheitspersonal und unsere Regierungsinstitutionen sind naturgemäß auch Angriffe auf unser Land, unsere Werte, unsere Gesellschaft und auf uns Kanadier als freies, demokratisches Volk", sagte Harper in seiner emotionalen Rede an die Nation, die im Fernsehen übertragen wurde. Die kanadische Regierung und die Sicherheitsdienste des Landes würden daher alles gegen "Terrororganisationen" tun, die in anderen Ländern agierten, "in der Hoffnung, ihre Brutalität in unsere Breiten zu bringen". Diese würden "keinen sicheren Hafen" finden. Kanada lasse sich nicht einschüchtern, sagte er. Harper war nach den ersten Schüssen sofort in Sicherheit gebracht worden.

Vor dem Hintergrund einer möglichen Verbindung des Attentäters zu Islamisten sagte Verteidigungsminister Rob Nicholson, Kanada werde an seiner Militärstrategie festhalten. Das Land will sich an den von den USA angeführten Luftangriffen auf Stellungen der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak und in Syrien beteiligen. Die Behörden gehen daher derzeit von einer erhöhten Anschlagsgefahr aus.

Nach Angaben der Polizei hatte es zuvor keinen konkreten Hinweis auf das Verbrechen gegeben. Die Sicherheitsstufe war auf mittlerem Niveau. "So ist sie seit Jahren und wir hatten keine Hinweise, die eine Verschärfung nötig gemacht hätten", sagte Michaud. Kanada gehört der internationalen Koalition im Kampf gegen #link;http://www.stern.de/politik/ausland/newsticker-zum-is-terror-muenchner-gericht-verurteilt-islamisten-zu-haftstrafe-2147024.html;die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nahost an.# Es war der zweite Anschlag in Kanada in dieser Woche. Am Montag hatte ein mutmaßlicher Islamist zwei Soldaten mit einem Auto überfahren. Ein Soldat starb, der Täter wurde nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen.

Am Abend hob die Polizei Absperrungen und weitere Sicherheitsmaßnahmen in Ottawas Innenstadt wieder auf. Abgeriegelt blieb das Gebiet um das Parlament.

haw/DPA/AFP DPA

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