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Anstaltsleiter Siegburg: "Unvorstellbare Defizite"

Über zwölf Stunden folterten drei Gefangene in der JVA Siegburg ihren Mitgefangenen, dann zwangen sie ihn zum Selbstmord. Nun wird den Tätern der Prozess gemacht. stern.de sprach mit dem Gefängnisleiter Wolfgang Klein über den Mord - und die Konsequenzen.

Herr Klein, im November vergangenen Jahres quälten und ermordeten drei jugendliche Strafgefangene in Ihrer Haftanstalt auf bestialische Weise einen Zellengenossen. Hätte der Mord eines Menschen, der sich in der Obhut des Staates befindet, verhindert werden können?

Ich war damals noch nicht Anstaltsleiter, habe aber mit allen Beamten gesprochen, und kann sagen: Nein, der Mord hätte nicht verhindert werden können. Es gab für die Beamten keinerlei Anzeichen für einen solchen Gewaltausbruch. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat das nach ihren Ermittlungen genauso gesehen. Es gab keinerlei Hinweise darauf, dass sich etwas zusammenbraut. Ein Beamter hat damals am späten Nachmittag sogar noch routinemäßig in der Zelle nach dem Rechten gesehen und gefragt, ob alles in Ordnung sei. Da hatten die Geschehnisse schon begonnen, die später zu der Ermordung führten. Das Opfer hat zu dem Beamten nichts gesagt…

Wie erklären Sie sich das?

Das begreife ich bis heute nicht. Er hätte nur etwas sagen oder ein Zeichen geben müssen, dass etwas nicht stimmt. Er hatte die Gelegenheit dazu. Er lag auf dem Bett, die anderen drei saßen um das Bett herum. Der später Ermordete hat sich aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen scheinbar mit seiner Opferrolle abgefunden.

Wie stellen Sie sicher, dass sich so etwas nicht wiederholt?

Dass sich so etwas wiederholt, lässt sich mit letzter Sicherheit nicht ausschließen. Niemand hätte für möglich gehalten, dass im Jugendvollzug so etwas passieren könnte. Dass es hier Gewalt gibt, ist klar, das war immer so und wird immer so sein. Wir haben es ja nicht mit Jugendlichen zu tun, die aus der Theatergemeinschaft eines katholischen Gymnasiums zu uns kommen. Das sind Leute, die draußen Gewalttaten begangen haben. Diese Jugendlichen lassen die Gewalt nicht draußen an der Pforte liegen und kommen dann geläutert in die Haftanstalt. Wir haben die ganze Bandbreite von Straftätern bei uns, bis zu Mördern mit der Höchststrafe von zehn Jahren ist alles vertreten. Hier sind Jugendliche, die zum Teil die einfachsten Kulturtechniken nicht beherrschen, die nicht mit Messer und Gabel essen können, sich nicht waschen, unvorstellbare Defizite haben. Das müssen wir denen erst beibringen. Wir können nur versuchen, wachsam zu sein. Unsere Antennen sind ständig aufgestellt, wir rechnen immer mit Dingen, die schief laufen. Aber es wird immer ein Restrisiko bestehen bleiben.

Welche Maßnahmen haben Sie nach dem Mord ergriffen?

Es sind jetzt nur noch maximal zwei Gefangene in der Zelle. Damals waren es vier. Das ist immer noch nicht optimal, am besten wäre die Einzelhaft, aber dafür haben wir nicht genug Zellen. Rund zehn Prozent der 404 Jugendlichen muss sich hier immer noch eine Zelle teilen. Außerdem habe ich mehr Personal bewilligt bekommen. Zwanzig Beamte zusätzlich konnte ich einstellen, dazu eine weitere Psychologin, demnächst kommen ein Sozialarbeiter und ein zusätzlicher Pädagoge dazu, und wir planen, zwei weitere Pädagogen für Freizeitpädagogik einzustellen. Das Land Nordrhein-Westfalen hat weitere erhebliche Mittel zur Verfügung gestellt, mit dem wir externe Drogenberater bezahlen können, die zu uns kommen werden.

Ein wahrer Geldsegen, der über Sie hereingebrochen ist…es scheint fast so, als musste erst etwas Schlimmes passieren und schon fließt Geld.

Das so zu sehen wäre zynisch, aber wir wissen ja schließlich alle, wie solche Dinge in Demokratien funktionieren. Wenn man für den Strafvollzug Geld braucht, dann muss der Bürger auf der Straße überzeugt werden, der im Zweifel der Meinung ist, dass es den Gefangenen sowieso viel zu gut geht und man Steuergeld verschwendet mit ihnen. Dementsprechend habe ich Probleme, Haushaltspolitiker zu finden, die Mittel bewilligen. Im Moment ist die Situation eine andere, unsere Anstalt ist im Fokus des Interesses und der Medien und dadurch finden wir auch bei den Politikern in den Haushaltsgremien eine größere Bereitschaft, Geld zu bewilligen.

Ihr Gefängnis findet also seit dem Mord leichter das Ohr der Politiker?

Wenn ich mich an das Justizministerium wende und sage, ich habe ein Problem, finde ich immer Gehör. Die JVA Siegburg steht natürlich besonders im Blickpunkt des Interesses. Es wäre gelogen, würde ich sagen, wir wären eine Anstalt wie jede andere.

Sind die Jugendlichen, die zu Ihnen in die Anstalt kommen, brutaler als früher?

Wir haben keine wissenschaftlich belastbaren Zahlen darüber. Meine Mitarbeiter und ich haben allerdings den Eindruck, dass die Gewaltbereitschaft größer ist als früher und dass Bremsmechanismen nicht mehr so funktionieren. Früher war die Sache erledigt, wenn der Sieger feststand, heute wird noch mal auf den am Boden Liegenden eingetreten, wenn niemand einschreitet. Nach unserem subjektiven Empfinden ist die Bereitschaft zu Deeskalation zurückgegangen. Das ist genau das, was wir bei dem Mord vom November feststellen können. Die drei haben immer weiter gemacht und scheinbar versucht, sich gegenseitig zu übertrumpfen in perversen Scheußlichkeiten. Ich hoffe, dass im Prozess die inneren Beweggründe der Täter erkennbar werden, ihre Motivation. Diese Frage treibt mich sehr um.

Warum?

Weil ich es verstehen möchte. Das gelingt mir bisher nicht. Und nur wenn ich verstehe, was in den Tätern vorgegangen ist, kann ich die Erkenntnisse bei unserer täglichen Arbeit hier im Gefängnis berücksichtigen. Das ist sehr wichtig, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert.

Interview: Oliver Link
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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