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Antarktis: Nervenzusammenbruch in der Antarktis – russischer Forscher sticht Kollegen aus Chile nieder

Sechs Monate arbeiteten zwei Forscher zusammen auf der Bellingshausen-Station in der Antarktis. Plötzlich fiel Sergey S. über seinen chilenischen Kollegen her. Der überlebte die Attacke, S. wird nun in Russland angeklagt.

Die Bellingshausen-Station ist eine russische Einrichtung.

Die Bellingshausen-Station ist eine russische Einrichtung.

Mord in der Antarktis-Station - in Hollywood-Filmen ist das ein beliebtes Thema, aber in der Wirklichkeit führen die Enge der Stationen und die Kälte an den Polen nur selten zu schweren Gewalttaten. Doch Anfang des Monats griff ein Forscher auf an der russischen Bellingshausen-Station auf King George Island einen Kollegen an. Der Angreifer heißt Sergey S., das Opfer wird nur B genannt. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtet, dass S. im Esszimmer der Station auf B. eingestochen habe. Die Bluttat soll sich nach einem Nervenzusammenbruch ereignet haben. Die beiden sollen seit sechs Monaten zusammengearbeitet haben. Laut Interfax wurde der Täter unter Hausarrest gestellt, er wird in Russland wegen versuchten Mordes angeklagt. Der verletzte B. ist Chilene und wurde zur Behandlung in die Heimat geflogen.

Komplizierte Rechtslage

Die Rechtslage in der Antarktis ist komplex. Die "New York Times" berichtet, dass in dem Land ohne Polizei, Gerichte oder Gefängnisse die dort vertretenen Nationen ein einzigartiges System entwickelt haben, um Probleme auf dem Kontinent zu lösen.

Dabei unterliegen die Forscher größtenteils der Rechtsprechung ihres Heimatlandes. An den großen Stationen gibt es sogar einen Polizeiersatz. Auf der McMurdo-Station der USA ist der Stationsleiter zugleich US-Marschall. Dort befinden sich in den Sommermonaten allerdings auch über 1000 Personen.

Eigentumsdelikte sollen an den Basen nur sehr selten vorkommen, da es dort kaum etwas zu stehlen gibt. Doch die "NYT" berichtet, dass die Situation in der Antarktis unter übermäßigen Alkoholgenuss leidet. Das Trinken führe häufiger zu Streit und Schlägereien - meist ohne große Folgen. Der Angreifer wird in der Regel frühzeitig nach Hause geschickt.

Wenige schwere Gewalttaten

Nur selten kommt es zu größeren Gewalttaten. 1996 mussten FBI-Agenten auf die McMurdo-Station kommen, nachdem zwei Köche sich in der Kombüse stritten und einer den anderen mit einem Hammer attackiert hatte. In dem Gemenge wurde auch ein dritter Koch verletzt.

1983 brannte ein Arzt seine Station nieder, damit er nicht einen weiteren Winter auf dem Eis verbringen musste.

Es wird auch erzählt, dass 1959 ein Forscher nach dem Verlust eines Schachspiels auf der russischen Wostok-Station seinen Mitspieler mit einer Axt getötet hat. Das Schachspiel wurde danach in den russischen Einrichtungen verboten. Eine Bestätigung für diese Anarktis-Legende gibt es jedoch nicht.

Der unheimlichste Fall ereignete sich im Mai 2000 auf der Amundsen-Scott-Station. Der Astrophysiker Rodney Marks klagte über Atembeschwerden und wurde von einem Arzt untersucht. Plötzlich hörte sein Herz auf zu schlagen und er starb. Erst eine spätere Autopsie zeigte, dass Marks durch eine tödliche Dosis Methanol vergiftet wurde. Ob es ein Unfall war oder ob er absichtlich vergiftet wurde, wurde nie herausgefunden.

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