HOME

Arzt unter Waterboarding-Verdacht: Das unheilvolle Familienleben des Dr. Seltsam

Ein 58-jähriger Kinderarzt soll seine Tochter mit Waterboarding gequält haben. Der Mann ist in den USA kein Unbekannter - und vor Kurzem mit einer Morddrohung bei der Polizei auffällig geworden.

Von Niels Kruse

Der Mann ist Kinderarzt, also einer, der sich um das Wohl der Jüngsten kümmert. Er hat mehrere Bücher geschrieben und war nicht nur einmal zu Gast in einer Talkshow. Über seine Spezialgebiete Nahtod und übersinnliche Wissenschaft hatte er unter anderem mit TV-Größen wie Larry King und Oprah Winfrey gesprochen. Vermutlich ist ihm dort die Rolle des Esoterikfreaks zugefallen, was zumindest der Blick auf seine Homepage "Spiritual Scientific" vermuten lässt. Dort berichtet Dr. Melvin Morse von einem Falken, der ihm erschienen sei und geraten hätte, "im Dunkel der Nacht" an die Ostküste zu ziehen. Morse ist vermutlich ein Kauz. Leider kein komischer. Denn er und seine Frau wurden angeklagt, ihre elfjährige Tochter in vier Fällen mit Waterboarding bestraft zu haben.

Die Form des Folterns erlangte als umstrittene Verhörmethode der CIA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 traurige Berühmtheit. Dabei wird dem Opfer vor Mund und Nase ein Tuch gehalten, das ständig mit Wasser benetzt wird, woraufhin sich schnell das Gefühl des Ertrinkens einstellt.

Aufgeflogen war das Ehepaar aus Georgetown in der Nähe von Washington, nachdem das Kind den Nachbarn erzählt hatte, wie der Vater ihren Kopf mehrmals unter einen Wasserhahn gehalten hatte. Dabei sei ihr Wasser in die Nase geflossen, wie die örtliche Zeitung "The News Journal" schreibt. An einem Tag soll Melvin Morse das Mädchen am Knöchel gepackt und sie über die mit Kieselsteinen versehene Garagenauffahrt geschleift haben. Danach soll sie im Haus geschlagen worden sein. Das sei im Juli passiert, anschließend hätten die Nachbarn die Behörden informiert.

Behörden trennen Eltern von ihren Kindern

Der Staatsanwalt ließ das Paar Anfang der Woche festnehmen und wegen Misshandlung und fahrlässiger Kindesgefährdung anklagen. Beide Elternteile sind nach ersten Vernehmungen auf Kaution wieder auf freiem Fuß, je 14.500 Dollar (knapp 12.000 Euro) mussten Melvin und Pauline Morse dafür hinterlegen. Die Behörden trennten die Eltern von ihren Kindern, der mutmaßlich misshandelten Tochter und ihrer sechsjährigen Schwester. Dem Arzt wurde nach Angaben der Ankläger die Zulassung entzogen.

Der Verteidiger des Ehepaars, Joe Hurley, äußerte Zweifel an den Vorwürfen. "Von Waterboarding kann nicht die Rede sein", dieser Ausdruck sei nur ein zugkräftiges Schlagwort, meinte der Jurist. Wie der Begriff aufgetaucht sei, könne er nicht sagen. Angeblich habe der Vater ihn gegenüber seiner Tochter benutzt, wie die Elfjährige ausgesagt haben soll.

Morse soll 65-Jährigen mit Mord gedroht haben

Um die Glaubwürdigkeit des Kindes in Zweifel zu ziehen, berichtet der Anwalt von einem Vorfall, der ein paar Jahre zurückliege. Damals hatte das Kind seinen Eltern erzählt, von ihrem Halbbruder missbraucht worden zu sein. Monate nach seiner Verhaftung habe das Mädchen gestanden, die Vorwürfe erfunden zu haben, weil es nicht mit dem Halbbruder unter einem Dach habe leben wollen. Befremdlich mutet auch eine angebliche Anzeige gegen Melvin Morse vom 13. Juli an. Danach soll der Kinderarzt gedroht haben, einen 65-Jährigen ermorden zu wollen. Die Anklage wurde allerdings eine Woche später wieder fallen gelassen, wie Anwalt Hurley berichtete.

Das Elternpaar hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Pauline Morse bat über ihre Facebook-Seite darum, in Ruhe gelassen zu werden. "Ich möchte nicht reden und bin dabei, mich neu zu sortieren", schreibt sie in dem sozialen Netzwerk.

Mit DPA