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Attacke in Münchner S-Bahn: 22 Schläge und Tritte auf das Opfer

Im Fall des zu Tode geprügelten S-Bahn-Opfers in München hat der Obduktionsbericht Erschreckendes zu Tage gebracht: Binnen weniger Minuten schlugen und traten die Verdächtigen 22 Mal auf den Mann ein, der vier Kinder beschützen wollte. Mittlerweile wurde ein dritter Haftbefehl erlassen, einer der Täter hat sich inzwischen entschuldigt.

Der von zwei jungen Männern zu Tode geprügelte S-Bahn-Fahrgast in München hat 22 verschiedene Verletzungen erlitten. Sie seien von Faustschlägen und Tritten gegen Kopf und Oberkörper verursacht worden, sagte Staatsanwalt Laurent Lafleur am Montag unter Berufung auf das vorläufige Obduktionsergebnis. An welcher Verletzung der 50-Jährige am Samstag letztlich starb, werde noch untersucht.

Der Mann hatte vier Kinder vor Räubern beschützen wollen. Die Kinder hätten bezeugt, dass die inzwischen wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft sitzenden 17 und 18 Jahre alten Jugendlichen ihrem Opfer auch gegen den Kopf getreten hätten, sagte der Leiter der Mordkommission, Markus Kraus. Rund 15 Menschen seien zur Zeit des Überfalls am Samstagmittag auf dem S-Bahnhof Solln gewesen, mehrere hätten sich inzwischen als Zeugen gemeldet.

Ein Komplize der beiden Mordverdächtigen, der bei einem vorangegangen Angriff auf die vier Kinder am S-Bahnhof Donnersberger Brücke 15 Euro gefordert und zwei von ihnen mit der Faust geschlagen haben soll, wurde ebenfalls festgenommen. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen den wegen Körperverletzung ebenfalls vorbestraften 17-Jährigen am Montag Haftbefehl wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung.

Union fordert mehr Kontrollen und schärfere Strafen

Der Jugendliche habe den Überfall zugegeben, sagte Chefermittler Kraus. An der Tötung des 50-Jährigen sei er nicht beteiligt gewesen, aber er soll die beiden späteren Täter angestiftet haben, die Kinder in der S-Bahn nach Solln weiter zu bedrängen. Der 50-Jährige habe um 16.05 Uhr aus der S-Bahn die Polizei alarmiert. Sofort nach dem Halt des Zuges in Solln gegen 16.10 Uhr seien die beiden Täter auf den 50-Jährigen losgegangen, sagte Kraus. Die ersten Polizisten seien um 16.15 Uhr vor Ort gewesen. "Sie haben die Täter noch wegrennen sehen", sagte Lafleur.

Inzwischen hat sich einer der beiden Schläger bei der Familie des Opfers entschuldigt. "Ich wollte nicht, dass der Mann stirbt", zitiert der Anwalt Gregor Rose seinen 18-jährigen Mandanten Markus S. in der Münchner Zeitung "tz". "Er bedauert seine Tat zutiefst und kann sich nicht erklären, wie es zu diesem Blackout kommen konnte", sagte Rose. Während Staatsanwaltschaft und Ermittlungsrichter die Tat als Mord bewerten, sieht der Verteidiger sie nur als Körperverletzung mit Todesfolge. Zunächst solle ein psychologisches Gutachten erstellt werden, sagte der Anwalt.

Führende Unionspolitiker forderten eine Verschärfung des Jugendstrafrechts. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer warf der SPD vor, sie habe sich entsprechenden Vorschlägen der Christsozialen verweigert. "Ich erhebe schwere Vorwürfe gegen die SPD", sagte Ramsauer in München. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann forderte, bei Straftätern über 18 Jahren in der Regel Erwachsenenstrafrecht anzuwenden. Zudem solle die Höchststrafe bei Jugendlichen von 10 auf 15 Jahre erhöht werden.

SPD lehnt härteres Jugendstrafrecht ab

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Wolfgang Bosbach, sagte: "Wir werden das nach der Bundestagswahl mit Hochdruck weiterverfolgen." Notwendig sei auch eine stärkere Kontrolle von öffentlichen Verkehrsmitteln. "Es ist unverkennbar, dass sich Übergriffe im öffentlichen Nahverkehr häufen", sagte der CDU-Politiker. Wenn Personal durch Technik ersetzt werde, bleibe der Schutz potenzieller Opfer der Zivilcourage Einzelner überlassen.

Auch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann forderte eine stärkere Überwachung von Bahnhöfen und schnellere Strafverfahren. Dagegen seien Forderungen nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts "Ausdruck von Hilflosigkeit", sagte Oppermann in Berlin. Einen jugendlichen Intensivtäter schrecke es nicht ab, wenn er statt zehn Jahren 15 Jahre Haft zu erwarten habe. "Nur Polizeipräsenz und die Gewissheit, dass Strafverfahren und Strafe der Tat auf dem Fuße folgen, kann Gewalttäter abschrecken", erklärte der SPD-Politiker.

AP / AP