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Attentäter Breivik: Der seltsame Bauer von nebenan

Anders Behring Breivik lebte auf einer Farm, hatte aber keine Ahnung von Landwirtschaft. Er fiel durch seltsames Verhalten auf, doch es war nie seltsam genug, dass jemand Verdacht geschöpft hätte.

Wie kann ein brutaler Killer wie Anders Behring Breivik unentdeckt auf einem Bauernhof eine Bombe bauen? Wie kann er den blutigen Angriff auf die Ferieninsel Utøya planen ohne dass die Menschen aus seinem Umfeld etwas merken? Diese Fragen stellen sich nach dem Attentat viele. Hätte die Bluttat verhindert werden können?

Tatsächlich ist Breiviks Verhalten aufgefallen, jedoch nie so sehr, dass irgendwer ernsthaft Verdacht geschöpft hätte. Noch im März war Breivik ins Visier der norwegischen Sicherheitsbehörden geraten, weil er sich im Internet Chemikalien bei einem polnischen Unternehmen besorgt hatte. Misstrauisch wurden sie jedoch nicht, denn Breivik führte zu diesem Zeitpunkt ein "unglaublich gesetzestreues Leben", wie die Polizeidienstchefin später sagte. Außerdem war der Einkauf für 15 Euro zu unbedeutend.

Und auch den Nachbarn war der blonde, junge Mann aufgefallen, der sagte, er sei Bauer, aber keine Ahnung von Landwirtschaft hatte. Einer von ihnen, Svein Meldieseth, sagte laut norwegischen Medien, er habe immer wieder darüber nachgedacht, die Polizei zu rufen. Kurz nach seinem Einzug in das Bauernhaus, das 160 Kilometer von Oslo entfernt in der Nähe der Stadt Rena liegt, hatte Breivik ihm gesagt, er dürfe ihn nicht unangemeldet besuchen. Tat er es doch, wurde er sauer. Immer, wenn er aus dem Haus kam, schloss er die Tür ab.

"Er ist aufgefallen"

Trine Stetten, eine 22-jährige Frisörin, die neben Breivik stand, als er sich die Haare in einem lokalen Salon hat schneiden lassen, erinnert sich: "Er sagte, er sei Bauer. Er hatte eine PC-Tasche und trug schöne Klamotten. Wir haben gedacht, das ist wirklich komisch, dass er Bauer ist." In den USA hat sich Breivik laut Medienberichten bei Operationen sogar Nase, Kinn und Stirn verschönern lassen - auch, um besser bei Frauen anzukommen. Das klappte aber nicht, von einer festen Beziehung ist nichts bekannt. In seinem Pamphlet stellte er es so dar, dass er verzichtet, um sich ungestört auf seine Mission konzentrieren zu können.

In der kleinen Stadt Rena kam er in Kontakt mit Einheimischen. Er ging zum Beispiel in das Pub "Kuckucksnest", das häufig von Soldaten des Telemark Battalions besucht wird, die ihren Stützpunkt in Rena haben. In seinem Manifest schrieb Breivik über dieses Treffen: "Es ist ziemlich ironisch, dass ich mich an dem größten Militärstützpunkt des Landes befinde. Es würde mir viel Mühe ersparen, wenn ich mir nur eine Tasse Zucker und drei Kilo Sprengstoff von meinen lieben Nachbarn leihen könnte."

In Rena war Breivik stets allein unterwegs, das sagen die Anwohner. Er sei aufgefallen. "Er fragte nach Quittungen und bezahlte mit Karte", sagt eine Kellnerin, die im "Kuckucksnest" arbeitet. "Niemand hier verlangt Quittungen für ein Bier."

fro
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