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Attentäter von Toulouse: Ermittler nehmen Merahs Bruder ins Visier

Mohamed Merah tötete sieben Menschen in neun Tagen. Darauf ist sein älterer Bruder anscheinend stolz. Die Mutter der beiden plagt sich hingegen mit Schuldgefühlen.

Der ältere Bruder des Attentäters von Toulouse hat nach Informationen aus Polizeikreisen während seiner Vernehmung ausgesagt, er sei "stolz" auf die Taten von Mohamed Merah. Abdelkader Merah sei zudem beim Diebstahl des Motorrollers anwesend gewesen, mit dem sein Bruder unterwegs war, als er sieben Menschen erschoss, hieß es am Samstag in Paris. Die Mutter des Attentäters dagegen hat nach Angaben ihres Anwalts Schuldgefühle.

Abdelkader Merah und seine Lebensgefährtin waren am Mittwoch in ihrem Haus südlich von Toulouse festgenommen worden. Sie befinden sich noch bis Sonntag in Polizeigewahrsam. Dann endet die 96-stündige Frist, nach der Verdächtige in Terrorfällen angeklagt oder freigelassen werden müssen. Am Samstag wurden sie aus Toulouse in die für den Anti-Terror-Kampf zuständige Unterdirektion der Polizei am Rande von Paris gebracht, da die Pariser Staatsanwaltschaft für den Fall zuständig ist.

Der Anwalt der Mutter des Attentäters sagte, seine Mandantin kämpfe mit Schuldgefühlen. Zoulhika Aziri frage sich, ob sie die Taten ihres 23-jährigen Sohns hätte verhindern können, sagte Jean-Yves Gougnaud. Seine Klientin sei wütend auf ihren Sohn und frage sich, warum er ihr dies angetan habe. Sie habe zudem Angst vor Racheakten und wolle deshalb im Moment nicht nach Hause zurückkehren. Aziri war am Freitagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Ihre beiden Söhne sollen in Toulouse einer salafistischen Gemeinde angehört haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 29-jährige Abdelkader im Jahr 2007 in einer Gruppe verwickelt, die islamistische Freiwillige zum Kampf in den Irak schleuste. Damals waren in Syrien zwei Männer festgenommen worden, als sie gerade in den Irak reisen wollten. Einer der beiden Männer, der später zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, war der Sohn des Lebensgefährten von Aziri.

Mohamed Merah war während seiner Taten allein, doch besteht der Verdacht, dass er Unterstützung von anderen erhielt. Insbesondere soll er deutlich über seinen bescheidenen finanziellen Mitteln gelebt haben. Merah soll zwischen dem 11. und dem 19. März in Toulouse und Montauban drei Soldaten sowie vor einer jüdischen Schule einen Rabbiner und drei jüdische Kinder erschossen haben. Er wurde am Donnerstag nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung von der Polizei erschossen.

Angesichts der Kritik an der Arbeit der Polizei traf sich Präsident Nicolas Sarkozy am Samstag im Elyséepalast mit den Leitern mehrerer Polizeibehörden sowie mehreren Regierungsmitgliedern, um Fragen der Sicherheit zu besprechen. In der südlichen Region Midi-Pyrénées wurde derweil die höchste Alarmstufe wieder aufgehoben, die am Montag nach dem Angriff auf die jüdische Schule in Toulouse verhängt worden war.

Innenminister Claude Guéant wies derweil erneut Kritik an den Sicherheitskräften zurück. Die Arbeit der Polizei in Frage zu stellen sei "inakzeptabel", sagte er der Zeitung "Figaro". Es sei das erste Mal, dass Frankreich mit einer derartigen Tat konfrontiert sei, "die sehr schwierig vorherzusehen ist, da sie individuell ist". Seit 1996 habe es in Frankreich kein Attentat mehr gegeben, sagte Guéant. "In Frankreich verhaftet man keine Leute wegen Meinungsdelikten. Er konnte nicht bloß festgenommen werden, weil er mit Salafisten Umgang hatte." Weder Merah noch sein Umfeld seien gefährlich erschienen, betonte der Innenminister.

tmm/DPA / DPA