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Mysteriöser Tod eines Staatsanwaltes Präsidentin Kirchner zweifelt an Selbstmord von Nisman


Alberto Nisman erhob schwere Vorwürfe gegen die argentinische Staatschefin. Kurz darauf kommt er auf mysteriöse Weise ums Leben. Doch auch Cristina Fernández de Kirchner zweifelt an einem Selbstmord.

Der Tod des Staatsanwaltes Alberto Nisman hat in Argentinien einen politischen Sprengsatz gezündet. Der Fall ist hochbrisant. Es geht um mehr als den tragischen und mysteriösen Tod eines Ermittlers. Es geht um die Rolle der Staatsführung, mutmaßliche Geheimdienstaktivitäten und vor allem: den schwersten Terroranschlag in der Geschichte Argentiniens, der vor 21 Jahren 85 Menschen das Leben kostete. Nisman war Sonderermittler in dem Fall des Attentats auf das jüdische Gemeindezentrum Amia 1994 in Buenos Aires, und er hatte schwere Vorwürfe gegen Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner erhoben. Warum?

Auch Tage nach dem Tod Nismans gibt es keine Klarheit darüber, ob sich der 51-Jährige am vergangenen Sonntag in seinem Badezimmer im noblen Stadtviertel Puerto Madero in Buenos Aires selbst erschoss. Er starb durch die Kugel aus einer Pistole vom Kaliber 22. Doch die Gerichtsmediziner fanden an seinen Händen keine Schmauchspuren, die aber da wären, hätte der Staatsanwalt selbst den Schuss abgefeuert. Das negative Resultat schließe aber nicht aus, dass er dennoch selbst geschossen habe, sagte Staatsanwältin Viviana Fein, die den Tod ihres Kollegen untersucht.

"Lügen, Fragen, Verwirrung"

Für die argentinischen Medien gibt es seit Tagen nahezu kein anderes Thema mehr als den Tod Nismans. Nicht nur die Angehörigen haben Zweifel, dass sich Nisman selbst erschoss. Auch tausende Argentinier, die aus Protest nach der Todesnachricht auf die Straße gingen, bezweifelten die Theorie. "Argentina", "Asesino" (Argentinien, Mörder) und "Gerechtigkeit für Nisman" riefen viele. Auch die oberste Staatsführung in Person von Kirchner selbst gehört zu denen, die nicht an Selbstmord glauben. Sie schrieb inzwischen zwei lange Briefe, die sie via Twitter und Facebook öffentlich machte. Schon im ersten Schreiben mit dem Titel "Amia. Abermals: Lügen, Fragen, Verwirrung" hatte sie das Wort Selbstmord in Anführungszeichen gesetzt. Am Donnerstag legte sie nach: "Der Selbstmord, der (davon bin ich überzeugt) kein Selbstmord war", schrieb sie und fügte hinzu: "Ich habe heute keine Beweise, aber ich aber auch keine Zweifel." Kirchner hat aber auch ihre eigene Interpretation des Falls.

Argentinier misstrauen der Regierung

Nisman hatte sie und Außenminister Héctor Timerman angeklagt und ihnen vorgeworfen, die Strafverfolgung mutmaßlicher iranischer Drahtzieher des Anschlags von 1994 vereiteln zu wollen. Dabei sei es unter anderem um Ölgeschäfte gegangen. Kirchner hält die Anklage Nismans de facto in allen Punkten auch durch Medienberichte für widerlegt. Sie vermutete, dass der Staatsanwalt benutzt und bewusst auf falsche Fährten gesetzt wurde und bis zuletzt von der Richtigkeit seiner Anklage überzeugt war. Gerade aus diesem Grunde habe Nisman auch keinen Grund gehabt, sich umzubringen.

Die Staatsanwälte sehen sich vor der schwierigen Aufgabe, einen mysteriösen Todesfall mit enormer politischer Sprengkraft aufzuklären, der in ein Präsidentschaftswahljahr fällt. Allein mit kriminalistischen Mitteln dürfte das schwer werden, denn Nisman betrat mit seinen Ermittlungen politisch vermintes Gelände. Und die Proteste auf den Straßen zeigen, dass viele Argentinier der Regierung und den Behörden mit großem Argwohn begegnen. Ob die langen Briefe der Präsidentin bei der Aufklärung helfen, oder ob sie als verbale Rauchbomben die Wahrheitsfindung erschweren, das ist im Moment noch völlig offen.

jube/DPA DPA

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