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Auftakt im Ehrenmord-Prozess: Vater von Arzu Ö. muss sich vor Gericht verantworten

Die junge Jesidin Arzu Ö. musste sterben, weil sie leben und denken wollte wie ein freier Mensch. Jetzt muss Arzus Vater vor Gericht - wegen Anstiftung zum Mord.

Im ersten Prozess, als fünf erwachsene Kinder der Familie Ö. verurteilt wurden, blieb sein Platz auf der Anklagebank leer. In den Augen der Ankläger galt er immer als Beschuldigter, sein Verfahren wurde aber abgetrennt. Jetzt muss sich der 53-jährige Vater Fendi Ö. vor dem Landgericht Detmold verantworten. Er soll seine Kinder angestiftet haben, die 18-jährige Tochter Arzu zu entführen und umzubringen.

Der Prozessbeginn an diesem Montag dürfte für manchen zum Déjà-vu werden: Der gleiche Fall, der gleiche Richter, der gleiche Saal. Auch viele der 23 Zeugen und die drei Sachverständigen sind schon im ersten Prozess aufgetreten. Am Ende wurden damals die fünf angeklagten Geschwister zu langen Haftstrafen verurteilt, an der Spitze der 22-jährige Osman, der die tödlichen Schüsse gestanden hatte.

Die Geschwister hatten zugegeben, Arzu entführt zu haben. Die Tötung sei aber nicht geplant gewesen. Das Gericht sprach dagegen von einem "Ehrenmord". Denn Arzu hatte eine verbotene Liebesbeziehung zu einem Deutschen, einem Bäckergesellen. Die Familie gehört zur Glaubensgemeinschaft der Jesiden. Und die dürfen eigentlich nur Partner haben, die ebenfalls Jesiden sind.

Hat der Vater seine Kinder zum Mord angestiftet?

Fendi Ö. kam 1985 nach Deutschland, mit seiner Frau und dem ersten Kind, der Tochter Sirin. In Detmold galt die Familie mit den zehn Kindern als vorbildlich integriert. Sirin stand bei der Stadtverwaltung vor einer Karriere. Dann in der Nacht zum 1. November 2011 das Unfassbare: Die fünf Geschwister dringen in die Wohnung von Arzus Freund ein, schlagen ihn nieder und entführen die kleine Schwester. Erst Monate später wird ihre Leiche bei Hamburg gefunden.

Staatsanwalt Christopher Imig geht davon aus, dass Vater Fendi sie dazu angestiftet hat. Selbst wenn es am Ende "nur" zu Beihilfe zum Mord reichen sollte, müsse Fendi Ö. mit drei bis 15 Jahren Haft rechnen, sagt er.

Einige offene Fragen wird Fendi zu erklären haben. Was hat es mit der Pistole auf sich, die die Polizei unter Fendis Matratze fand? Und der Revolver im Schuppen? Was wurde wirklich in der Tatnacht zwischen Sirin und ihrem Vater per Mobiltelefon besprochen? Und warum hat Fendi den Polizisten, die in der Tatnacht an seiner Tür klingelten, gesagt, seine Kinder seien auf einer Party?

Ehre der Familie stand im Mittelpunkt

Der Psychologie-Professor Jan Ilhan Kizilhan ist wie im ersten Prozess als Sachverständiger geladen. "In traditionellen, patriarchalen Strukturen wird die Familie als Kollektiv gesehen, fühlt sich verantwortlich - besonders in Fragen der Ehre." Eine besondere Rolle komme dem Vater als Familienoberhaupt zu. Wenn sich ein Familienmitglied nicht an die Regeln halte, gelte er als schwach.

Die Menschenrechtlerin Serap Cileli hebt hervor, dass es um die Ehre des Clan-Chefs gehe. Sie fordert ein harte Bestrafung, das Detmolder Gericht könne Rechtsgeschichte schreiben: "Denn es wäre das erste Mal, dass in Deutschland ein Familienoberhaupt wegen Anstiftung zum Ehrenmord verurteilt wird." Sie schätzt, dass in den letzten 20 Jahren in Deutschland 100 Frauen im Namen der Ehre umgebracht wurden.

Arzu, die vor dem gewalttätigen Vater ins Frauenhaus geflüchtet war, kannte offenbar die Gefahr: Im Chat mit einer Freundin ermahnte sie diese, mit niemandem aus der Familie Ö. über sie zu sprechen. "Wenn die mich finden, bin ich eine tote Frau." Und weiter: "Die wollen, dass ich zurückkomme. Du weißt schon, die Ehre der Familie."

Kein Geständnis des Vaters erwartet

Und sie erwähnt das Lied des Rappers Eko Fresh "Köln-Kalk Ehrenmord". Darin erschießt ein Türke seine Schwester und deren Freund, im Namen der Ehre. Wenige Wochen später war Arzu tot.

Arzu hat ihren Freund wenige Meter von ihrem Elternhaus entfernt in der Bäckerei kennengelernt, in der sie aushalf. Bäckermeister Johannes Müller ist heute noch erschüttert. "Wir hatten ein enges Verhältnis zu Arzus Familie." Fendi sei streng zu seinen Kindern gewesen. "Ohne Zustimmung des Vaters, vielleicht auch der Mutter, wäre das mit Arzu nie passiert."

Fendi Ö. wird im Prozess zwar einräumen, seine Tochter verprügelt zu haben, sagt sein Verteidiger. "Von der Anstiftung zum Mord wird er sich aber deutlich distanzieren."

fle/DPA / DPA
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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