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Auftakt im Ki.Ka-Prozess: Angeklagter gesteht Millionenbetrug

Vor dem Erfurter Landgericht hat der Prozess um den Millionenbetrug beim Kinderkanal Ki.Ka begonnen. Angeklagt ist ein 43-jähriger ehemaliger Herstellungsleiter, dem die Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit und Untreue in 48 besonders schweren Fällen vorwirft.

Der im Ki.Ka-Prozess angeklagte ehemalige Top-Manager hat den Millionenbetrug gestanden. Als Grund gab er am Montag vor dem Landgericht Erfurt seine massive Spielsucht und die Arbeitssituation beim Kinderkanal an. "Ich bedaure zutiefst, dass ich das Vertrauen meiner Mitarbeiter und Vorgesetzten missbraucht und meinen Freunden und der Familie nicht von den Problemen erzählt habe", sagte der 43-Jährige zum Prozessauftakt.

Die Anklage wirft ihm vor, er habe von 2005 bis 2010 insgesamt 61 Rechnungen in Höhe von rund 4,6 Millionen Euro ohne Gegenleistung zur Zahlung an eine Berliner Produktionsfirma angewiesen. Das Geld soll er sich mit der Firma geteilt haben.

Angeklagter verliest halbstündiges Geständnis

Der ehemalige Herstellungsleiter des in Erfurt ansässigen öffentlich-rechtlichen Kinderkanals sitzt seit Anfang Dezember in Untersuchungshaft. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wurde gegen ihn inzwischen ein zweiter Haftbefehl wegen Bestechlichkeit in 29 weiteren Fällen erlassen. Der Mann soll demnach auch noch knapp 200.000 Euro Schmiergelder und Sachleistungen, darunter Flugreisen, angenommen haben.

Der 43-Jährige verlas ein rund halbstündiges Geständnis. Darin gab er an, dass er sein gesamtes Vermögen an Automaten verspielt habe. Auch das durch Scheinrechnungen veruntreute Geld habe er im Casino wieder verloren. Seine Sucht erklärte der ehemalige Herstellungsleiter unter anderem mit der Arbeit beim Kinderkanal. Das Klima sei rau, der Umgang brutal gewesen. Zudem hätten praxisferne Vorschriften des federführenden MDR die Arbeit erschwert. Er habe sich überfordert gefühlt, den Betrieb fast im Alleingang aufzubauen.

Selbstanzeige des Komplizen brachte Affäre ins Rollen

Aufgeflogen war die Betrugsaffäre, nachdem sich der Geschäftsführer der in die Scheingeschäfte verwickelten Berliner Produktionsfirma selbst angezeigt hatte. Gegen ihn läuft ein gesondertes Ermittlungsverfahren. Insgesamt ermittelt die Erfurter Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Millionenbetrug gegen elf Verdächtige, darunter fünf aus dem Ki.Ka und sechs Geschäftsführer verschiedener Firmen. Der MDR hatte den durch die kriminellen Scheingeschäfte entstandenen Schaden in einem internen Prüfbericht auf insgesamt rund 8,2 Millionen Euro beziffert.

Für den Prozess sind insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Nach der Anklageverlesung sollte am Montagnachmittag mit der Vernehmung von Zeugen begonnen werden. Ein Urteil wird Anfang Juli erwartet. Der Ki.Ka ist ein Gemeinschaftsprojekt der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF und wird aus Rundfunkgebühren finanziert.

kng/DPA/AFP / DPA