Augsburg Fünf Tote und ein Verdächtiger


Nach dem fünffachen Mord in Augsburg untersucht die Polizei weiter die Hintergründe des Verbrechens. Gegen den Ehemann eines der Opfer wurde jetzt ein internationaler Haftbefehl erlassen. Eine Beziehungstat sei nicht auszuschließen.

Nach dem gewaltsamen Tod einer türkischen Familie in Augsburg ist gegen den Ehemann eines der Opfer internationaler Haftbefehl erlassen worden. Gegen den 37-jährigen Ali Göbelek bestehe Tatverdacht, eine Beziehungstat sei nicht auszuschließen, sagte ein Sprecher der Augsburger Polizei am Dienstag in Augsburg. Die Leichen der fünf Opfer sollten ab Mittag in München obduziert werden.

Göbelek lebte den Angaben zufolge getrennt von seiner Ehefrau, hatte aber Zutritt zum Haus und hielt sich oft dort auf. In dem Doppelhaus im Augsburger Stadtteil Bärenkeller war am Montag die vierköpfige türkische Familie - ein siebenjähriges Mädchen, ihre 29-jährige Mutter und deren 25-jähriger Bruder sowie die 53-jährige Großmutter - sowie ein Bekannter der Familie erstochen aufgefunden worden. Anders als zunächst vermutet, handelt es sich laut Polizei bei dem Bekannten nicht um einen Türken, sondern um einen 26-jährigen Tschechen, der vorübergehend in dem Haus gewohnt habe.

Genauer Tatablauf weiter unklar

Der genaue Tatablauf sei weiter unklar, sagte der Polizeisprecher. Neue Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion der Leichen und Befragungen von Nachbarn, Angehörigen und Freunden der Familie. Die Polizei bildete eine 32-köpfige Sonderkommission namens "Ela" - so hieß das getötete Mädchen.

Familientragödien in Deutschland

Ehekrisen, finanzielle oder berufliche Probleme sind oft Motiv für Familientragödien. Einige außergewöhnliche Fälle der vergangenen Jahre:

16.6.2003

- Mit vier Schüssen tötet ein 70-jähriger Bauunternehmer im saarländischen Quierschied seine 35-jährige Frau, die beiden gemeinsamen 9 Jahre alten Kinder und dann sich selbst. Als Motiv werden Trennungsabsichten der Frau vermutet.

25.5.2003

- Ein 51 Jahre alter Polizist greift im hessischen Vöhl zur Waffe und erschießt seine 48 Jahre alte Ehefrau, seine beiden Söhne (14 und 19) und schließlich sich selbst.

6.5.2003

- Vermutlich aus Eifersucht erschießt ein 48-jähriger Fernfahrer in Herren-Sulzbach (Rheinland-Pfalz) seine 35 Jahre alte Ehefrau, deren Liebhaber (27) und seine Schwiegermutter (66). Danach tötet er sich auf einem Parkplatz selbst. Der 70 Jahre alte Schwiegervater wurde bei der Tat im Wohnhaus der Familie schwer verletzt.

3.2.2002

- Eine vierköpfige Familie aus Maichingen in Baden- Württemberg wird Opfer eines Dramas. Eine 35 Jahre alte Mutter und ihre 5 und 2 Jahre alten Kinder werden im Schlaf mit einer Axt erschlagen. Der 36-jährige Familienvater verunglückt wenig später auf der Autobahn tödlich. Es erhärtet sich der Verdacht, dass er für die Bluttat verantwortlich ist.

22.12.2000

- Bei einer Feier zum Ende des Fastenmonats Ramadan tötet ein aus der Türkei stammender 24-Jähriger in Salzgitter mit gezielten Kopfschüssen sechs Familienmitglieder. Opfer werden seine ihm vier Jahre zuvor auf Verlangen der Familien angeheiratete Frau (24), eine Schwester, zwei Brüder, ein Schwager und eine im vierten Monat schwangere Schwägerin. Seine Mutter (62) überlebt schwer verletzt. Sechs während der Bluttat in der Wohnung anwesende Kinder - darunter zwei eigene - bringt der Täter später zu einer Schwester, bevor er sich der Polizei stellt. Die Ankläger geht von einem durch Familienstreitigkeiten ausgelösten Racheakt aus. Der Mann wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

8.3.2000

- Ein 42 Jahre alter Mann bringt in Zwintschöna bei Halle (Sachsen-Anhalt) fünf Familienmitglieder um. Zunächst erschlägt er mit einer Axt seine Frau (37) und 3 Söhne im Alter von 4, 10 und 17 Jahren. Stunden später erstickt er auch noch seine eineinhalb Jahre alte Tochter. Danach flieht er und wird nach einem Selbstmordversuch aufgespürt und festgenommen. Motiv der Bluttat: hohe Schulden.

DPA

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