Aus reiner Freundschaft Waffenlobbyist Schreiber verschenkte Millionen


Der Rüstungslobbyist Karlheinz Schreiber soll nach Aussage des früheren Thyssen-Managers Winfried Haastert aus reiner Freundschaft Millionen verschenkt haben. Ohne jede Gegenleistung habe er selbst 1,5 Millionen Mark bekommen, sagte Haastert am Montag im Bestechungs- und Steuerhinterziehungs-Prozess gegen Schreiber vor dem Landgericht Augsburg.

Der Rüstungslobbyist Karlheinz Schreiber soll nach Aussage des früheren Thyssen-Managers Winfried Haastert aus reiner Freundschaft Millionen verschenkt haben. Ohne jede Gegenleistung habe er selbst 1,5 Millionen Mark bekommen, sagte Haastert am Montag im Bestechungs- und Steuerhinterziehungs-Prozess gegen Schreiber vor dem Landgericht Augsburg. Zur prozessentscheidenden Frage, ob die Briefkastenfirmen ATG und IAL und damit Provisionen in Millionenhöhe wirklich Schreiber gehörten, könne er gar nichts sagen. Das Gericht äußerte erhebliche Zweifel.

Am Nachmittag sollte der von Schreiber geschmierte, bereits zu 27 Monaten Haft verurteilte frühere Rüstungsstaatssekretär Ludwig-Holger Pfahls als Zeuge aussagen. Schreiber ist angeklagt, für die Vermittlung von Fuchs-Panzern, Airbus- Flugzeugen und Hubschraubern bis 1993 rund 64 Millionen Euro kassiert und nicht versteuert sowie Geschäftspartner bestochen zu haben. Er hat aber alle Vorwürfe bestritten und schwieg auch am Montag auf die Fragen des Gerichts.

Der frühere Thyssen-Manager Haastert wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit der Lieferung von Fuchs-Panzern an Saudi-Arabien vom Bundesgerichtshof zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. "Wenn ich Geld von einem Freund bekomme ohne Gegenleistung, dann war das so, auch wenn Sie es sich nicht vorstellen können", sagte Haastert am Montag auf die ungläubigen Nachfragen von Gericht und Staatsanwaltschaft. Im November 1991 habe er Schreiber in Zürich getroffen und 1,2 Millionen Mark bekommen: "Zu meiner Überraschung überreichte er mir einen Umschlag mit dem Geld im Savoy-Hotel in der Bahnhofstraße. Er hat alles Gute gewünscht, und das war's" sagte Haastert: "Das war wirklich ein Freundschaftsgeschenk!" Der Vorsitzende Richter Rudolf Weigell bezeichnete das als "nicht plausibel" und warnte den Zeugen vor einem weiteren Verfahren wegen Falschaussage: "Strapazieren Sie das, was wir von ihnen glauben, nicht zu sehr!"

Haastert sagte, der frühere Thyssen-Industrie-Chef Bartels habe von Schreiber eine halbe Million für eine Motorjacht bekommen. Auf Richter Weigells Frage an Schreiber, ob er viele solche teuren Freunde gehabt habe, antwortete der Angeklagte nicht.

Weiter führte Haastert aus, beim Panzergeschäft mit den Saudis und dem Bear-Head-Rüstungsprojekt in Kanada habe er für Thyssen Verträge und Provisionszusagen mit den Firmen ATG und IAL unterschrieben, ohne zu wissen, wem sie genau gehörten. "Unser Justiziar sagte, das ist in Ordnung", sagte das frühere Vorstandsmitglied. "Wir wussten nie, wer IAL eigentlich war." Ebenfalls "keine Ahnung" habe er, wer sich hinter ATG verbarg und wofür die Saudis 24 Millionen Mark Provision dorthin zahlten.

Die Anklage hält IAL und ATG für Briefskastenfirmen Schreibers, über die er seine Provisionen vor dem Fiskus versteckt und Millionen an Schmiergeld auf Rubrikkonten wie "Winter" oder "Holgart" weitergeleitet habe. Schreiber behauptet, er sei nur Handlanger von inzwischen verstorbenen Politikern und Lobbyisten gewesen.

Richter Weigell erinnerte ihn an seine frühere Ankündigung, wenn er auspacke, werde das die Republik erschüttern. "Solche Erschütterungen waren hier noch nicht wahrzunehmen", sagte der Vorsitzende.

APN APN

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