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Ausgesetzte Kinder von Aosta: Freund der Mutter begeht Selbstmordversuch

Kurz vor einer geplanten Anhörung hat Sascha S., der zusammen mit seiner Freundin drei Kinder in einer Pizzaria im Aosta-Tal ausgesetzt hatte, einen Suizidversuch begangen. Der Gesundheitszustand des 24-Jährigen sei kritisch, aber stabil, heißt es. Seine Abschiebung nach Deutschland könnte sich nun verzögern.

Der Fall der drei deutschen Kinder, die in einer Pizzeria in Norditalien ausgesetzt wurden, hat eine dramatische Wendung genommen: Der 24 Jahre alte Freund der Mutter hat versucht, sich im Gefängnis von Aosta das Leben zu nehmen. Der Mann habe sich mit einem Gürtel erhängen wollen, berichteten italienische Medien. Er sei unverzüglich ins Krankenhaus gebracht worden und liege dort auf der Intensivstation. Sein Zustand sei "kritisch, aber stabil", hätten Sanitäter des Krankenhaus mitgeteilt.

"Nichts hat vorab darauf schließen lassen, dass der Festgenommene einen Selbstmordversuch unternehmen könnte", erklärte der Leiter des Gefängnisses. Daher sei es dem Mann auch erlaubt gewesen, einen "kleinen Gürtel" zu tragen. Der 24-Jährige war laut italienischen Medienberichten am Samstag gegen 9.30 Uhr an den Metallstreben eines Waschraumes hängend gefunden worden.

Anhörung verschoben

Der Pflichtverteidiger von Sascha S., Federico Fornoni, teilte unterdessen mit, eine für Samstag angesetzte Anhörung zur Abschiebung sei wegen des Selbstmordversuchs verschoben worden. Wann sie nun stattfinden würde, war zunächst unklar. Normalerweise muss die Anhörung binnen 48 Stunden nach der Festnahme stattfinden.

Die deutsche Justiz hat die Auslieferung des 24-Jährigen beantragt, der nach einem Hafturlaub nicht ins Gefängnis zurückgekehrt war. Wenn er nicht widerspreche, könne er relativ schnell wieder nach Deutschland gebracht werden, hatte Oberstaatsanwalt Johannes Daheim erklärt. Die 26 Jahre alte Mutter befindet sich auf freiem Fuß. Sie soll nach ihrer Rückkehr nach Deutschland vernommen werden. Die drei Kinder befinden sich inzwischen in der Obhut des Jugendamtes Olpe.

Die Mutter und ihr Lebensgefährte, ein aus dem Gefängnis Senne geflüchteter Häftling, hatten die drei Kinder im Alter von zehn Monaten sowie vier und sechs Jahren nach einem gemeinsamen Essen in einer Pizzeria im Aosta-Tal zurückgelassen und waren spurlos verschwunden. Wenige Tage später waren die beiden in einem Außenbezirk der Stadt Aosta entdeckt und zur Vernehmung ins Polizeipräsidium gebracht worden. Die Mutter begründete das Zurücklassen ihrer Kinder mit einer finanziellen Notlage.

DPA / DPA