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Ausschreitungen in Ferguson: Polizeischüsse auf Michael Brown - das sind die Fakten

Nach dem Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown heizt sich der Konflikt zwischen der Polizei und Bewohnern von Ferguson weiter auf. Ein Überblick über die bisherigen Geschehnisse.

Aufgebrachte Demonstranten schreien einen Polizisten in Furgeson an. Die Kleinstadt in den USA kommt nach dem Tod eines schwarzen Teenagers nicht zur Ruhe

Aufgebrachte Demonstranten schreien einen Polizisten in Furgeson an. Die Kleinstadt in den USA kommt nach dem Tod eines schwarzen Teenagers nicht zur Ruhe

Der Tod des jungen Schwarzen Michael Brown durch Polizeischüsse hat in den USA eine neue Rassismusdebatte ausgelöst. Die Kleinstadt Ferguson, ein Vorort der Millionenmetropole St. Louis im US-Bundesstaat Missouri, wo Brown starb, kommt seit dem Vorfall nicht zur Ruhe. Während Demonstranten der Polizei Rassismus vorwerfen, verteidigt diese das Vorgehen des Todesschützen als korrekt. Ein Überblick über die Geschehnisse der vergangenen Tage.

Das Opfer: Michael Brown

Der 18-Jährige wird wegen seiner Statur als "freundlicher Riese" beschrieben, er wurde "Big Mike" gerufen. Nach Darstellung seiner Großmutter hätte Brown am Montag an das Vatterott-College gehen sollen, eine private Berufsschule, wo er eine Ausbildung zum Toningenieur machen wollte. Sein Onkel Charles Ewing sagte, Brown sei 1,95 Meter groß gewesen und habe rund 135 Kilo gewogen. Trotz seiner stattlichen Figur habe er nicht Football spielen wollen, "weil er niemandem weh tun wollte".

Der Polizist: Darren Wilson

Der Rassismusvorwurf beruht auch darauf, dass der Todesschütze laut Medienberichten weiß ist. Demnach ist Wilson selbst erst 28 Jahre alt. Er ist dem Polizeichef Thomas Jackson zufolge seit sechs Jahren Polizist und dient seit vier Jahren in Ferguson. Wilson ist selbst in der Region aufgewachsen. Jackson beschreibt seinen Untergebenen als "angenehme, ruhige" Persönlichkeit und als "exzellenten Polizisten". Wilson sei nach den Ereignissen am Boden zerstört. Er habe "niemals gewollt, was passiert ist", sagte Jackson. Wilson wurde bei dem Zwischenfall mit Brown selbst verletzt.

Die Begegnung

Warum es zum Zusammentreffen von Brown und Wilson kam, ist noch immer unklar. Die Polizei hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, Brown habe versucht, in einem Geschäft Zigarren zu stehlen. Bei seiner Festnahme habe er sich "aggressiv" verhalten und sei erschossen worden. Polizeichef Jackson sagte später, die Begegnung des Jugendlichen und des Polizisten stehe nicht im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Diebstahl. Demnach liefen Brown und ein Freund "mitten auf der Straße" und blockierten den Verkehr. Wilson habe dies auf dem Rückweg von einem anderen Einsatz gesehen und sei eingeschritten.

Die Todesschüsse

Während die Polizei Browns Verhalten für die Schüsse verantwortlich macht, sagte ein Zeuge, der unbewaffnete Brown sei gerade die Straße entlang gegangen, als der Polizist auftauchte. Demnach feuerte Wilson auf Brown, obwohl dieser die Arme hochgehoben hatte und "Nicht schießen!" ("Don't shoot") rief.

Eine zweite von der Familie Browns in Auftrag gegebene Autopsie des Leichnams kommt zu dem Schluss, dass der 18-Jährige mit mindestens sechs Kugeln getötet wurde. Zwei Projektile hätten den Kopf und vier den rechten Arm Browns getroffen, befand ein renommierter Rechtsmediziner, wie die "New York Times" berichtete. Laut dem vorläufigen Ergebnis der Autopsie seien alle Kugeln von vorne abgefeuert worden.

Der Diebstahl

Die Polizei veröffentlichte einen Videomitschnitt, der aus Sicht von Polizeikritikern das Opfer diffamieren soll. Auf dem Überwachungsvideo eines Geschäfts ist ein großer dunkelhäutiger Mann zu sehen, der etwas nimmt, zum Ausgang geht und einen anderen Mann beiseite schubst, als dieser ihn aufhalten will. Bei dem Dieb soll es sich laut Polizei um Brown handeln. Der Ladenbesitzer hatte den Diebstahl einer Packung Zigarren der Marke Swisher Sweet im Wert von 48,99 Dollar (rund 37 Euro) angezeigt. Nach Polizeiangaben wurden bei Browns Leichnam Beweise für den Diebstahl gefunden.

mka/AFP / AFP