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Ausschreitungen in Stockholm: Randalen gehen unaufhörlich weiter

Autos, Schulen und eine Polizeiwache in Brand: Die Krawalle in Stockholm nehmen kein Ende. Für Schwedens Rechtspopulisten ist klar, Auslöser der Unruhen ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit des Landes.

Dutzende brennende Gebäude und Autos, Steinwürfe auf Feuerwehrwehrleute: Schweden kommt nicht zur Ruhe. In mehreren Vororten der Hauptstadt Stockholm lieferten sich randalierende Jugendliche in der fünften Krawall-Nacht in Folge Auseinandersetzungen mit der Polizei. Bis zum Freitag wurden 29 Verdächtige festgenommen, teilten die Behörden mit. Ihnen wird unter anderem Brandstiftung vorgeworfen.

Viele der Jugendliche seien vorbestraft, sagte Ermittler Jorgen Ohlsson dem schwedischen Radio. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die randalierenden Jugendgruppen ihre Angriffe koordiniert hätten.

"Wir haben in den ersten Nächten viel Gewalt erlebt", sagte Polizeichef Mats Löfving. "Jetzt wollen wir unsere Anstrengungen verstärken und streben Festnahmen an", ergänzte er. Die Polizei der betroffenen Vororte solle Verstärkung aus Malmö, Göteborg und anderen Städten bekommen, teilten die Behörden mit. Die Beamten seien nach den tagelangen Ausschreitungen überlastet. Außerdem stehen in den kommenden Wochen mehrere Großveranstaltungen in Schwedens Hauptstadt an, unter anderem die Hochzeit von Prinzessin Madeleine am 8. Juni.

Polizeiwache und Montessori-Schule angezündet

Die Feuerwehr musste in der Nacht zum Freitag zu 70 Bränden in und um Stockholm ausrücken. In Alvsjo, südlich von Stockholm, ging eine Polizeiwache in Flammen auf. Auch ein Gemeindezentrum wurde zerstört. In Jordbro griff das Feuer von einem brennenden Auto auf ein Geschäft über. Die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen schien ungebrochen. Selbst Feuerwehrleute, die versuchen, die Brände zu löschen, wurden mit Steinen beworfen. Verletzte wurden in der Nacht nicht gemeldet.

In dem nördlichen Vorort Kista wurde eine Montessori-Schule in Brand gesteckt. Die Schulleiterin sagte dem schwedischen Fernsehen, sie sei seit Tagen beunruhigt gewesen. Ihre Schule sei klein, das Gebäude aus Holz gebaut. "Viele mutige Eltern haben in den Nächten ein Auge auf unsere Schule gehabt, aber es hat nichts genützt", sagte Kicki Kobdock Haak.

Kritik an schwedischer Einwanderungspolitik

Die schwedische Regierung wurde im Parlament für ihre Einwanderungspolitik kritisiert. Regierungschef Fredrik Reinfeldt wies die Vorwürfe der rechtspopulistischen Partei der Schwedendemokraten zurück, die hohe Jugendarbeitslosigkeit sei Hintergrund der Unruhen.

Auslöser der Unruhen ist der Tod eines 69-jährigen Mannes in Husby, einem Vorort von Stockholm, in dem die Bevölkerung zu 80 Prozent aus Einwanderern besteht. Die Polizei hatte den Mann nach eigenen Angaben in Notwehr erschossen. Anwohner vermuten einen rassistischen Hintergrund. Die Gewaltausbrüche sind im Laufe der Woche auf andere Vororte mit hohem Migrantenanteil übergegangen.

cob/DPA / dpa
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