Autobahnmorde Polizei jagt Serienkiller


Die Polizei in Kassel macht Jagd auf einen Serienmörder. Der Täter hat drei Frauenleichen in der Nähe von Autobahnen zurück gelassen. Mautdaten sollen nun bei der Fahndung helfen.

Der gesuchte Mann ist vermutlich zwischen 35 und 45 Jahre alt und von Beruf Fernfahrer. Die Fahnder gehen davon aus, dass er starker Raucher ist und Narben am Bauch hat. Vier Frauen in Hessen und Nordrhein-Westfalen wurden den bisherigen Ermittlungen zufolge Opfer des Mannes. Drei von ihnen wurden ermordet in der Nähe von Autobahnen gefunden, eine 25-Jährige kam mit dem Leben davon. Zuletzt brachte der Unbekannte Anfang Juli eine 18 Jahre alte Schülerin aus Kassel um. "Wir müssen damit rechnen, dass das nicht der letzte Mord war", sagte der Kasseler Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. "Wir müssen ihn möglichst schnell fangen."

Allein im nordhessischen Kassel jagen rund 30 Ermittler den Killer. Bei der Mordkommission wird rund um die Uhr gearbeitet. Die Fahnder bekamen bislang mehrere zehntausend Hinweise. "Wir sind sehr sicher, dass die Fälle alle zusammenhängen", sagte Jungnitsch. "Hinweise, die bisher keinen Sinn gemacht haben, könnten jetzt eine ganz andere Brisanz erhalten."

Auf der Suche nach Zusammenhängen

Für den Siegener Staatsanwalt Manfred Lischek ist es durchaus möglich, "dass es den fünften, sechsten oder siebten Fall" in der Mordserie gibt. Hinweise oder Erkenntnisse in diese Richtung gebe es aber bisher nicht. Die Polizisten würden aber jetzt auch ungeklärte Tötungsdelikte an jungen Frauen, die einen Zusammenhang zur Autobahn haben, mit den Erkenntnissen dieser vier Fälle vergleichen.

In der Nacht zum 8. Juli war eine 18 Jahre alte Schülerin aus Kassel überfallen worden, ihre unbekleidete Leiche wurde später an einem Autobahnparklatz gefunden. Über eine DNA-Spur aus Kassel stellten die Ermittler eine Verbindung zu drei weiteren Fällen her. Im November 2003 wurde eine 32 Jahre alte Prostituierte ermordet in einem Gewerbegebiet in Dormagen gefunden. Ein Jahr später stieg eine 25-Jährige in Köln in den Lastwagen eines Freiers. In dem Fahrzeug würgte er die Frau, fuhr mit ihr nach Wesel und stach mit einem Taschenmesser auf sie ein. Die Frau konnte sich schwer verletzt zu einer Raststätte retten.

Mautdaten könnten Informationen liefern

Anfang der Woche war bekannt geworden, dass der Serienmörder vermutlich auch für den Tod einer Polin verantwortlich ist, deren Leiche vergangenen Herbst an einer Autobahn bei Siegen gefunden wurde. Die 31-Jährige, die bei ihrem Bruder im hessischen Dillenburg lebte, war erdrosselt worden. Nach diesem vierten Fall ist sich die Polizei sicher, dass der Fernfahrer häufig auf Autobahnen in Hessen und Nordrhein-Westfalen unterwegs ist.

Wichtige Hinweise zum Mordfall in Kassel könnten auch die Mautdaten von der Autobahnüberwachung liefern. Die Polizei dürfe bei ihren Ermittlungen aber nicht auf die von den Mautbrücken erfassten Informationen zurückgreifen. Deshalb riefen die Ermittler Speditionen auf, auch anhand ihrer Zahlungen von Autobahnmaut zu prüfen, welche ihrer Lastwagen in der Tatnacht auf der A 49 von Kassel in Richtung Marburg unterwegs waren. "Das ist eine Herkules-Aufgabe", sagte Jungnitsch.

Täter handelte "unüberlegt und planlos"

Vorrangig müssten die beteiligten Mordkommissionen in Hessen und Nordrhein-Westfalen ihre Spuren nun miteinander abgleichen, sagte Lischek. Derzeit werde zwischen den Polizeibehörden ein Konzept erarbeitet, "wer das wo und mit wem macht". Ob es eine zentrale Ermittlungskommission gebe, sei ungewiss.

Polizeisprecher Jungnitsch geht davon aus, dass der mutmaßliche Täter unterdessen nervös geworden ist. Denn als bekannt wurde, dass in dem Kasseler Fall DNA-Spuren des Mörders gefunden wurden, seien das vermisste Handy und Portemonnaie der 18-Jährigen auf einer Rheinbrücke zwischen Duisburg und Krefeld entdeckt worden. Der Mörder hatte beides bei voller Fahrt aus dem Fenster in den Rhein werfen wollen. Die Tüte mit den Gegenständen war aber gegen ein Geländer geprallt. "Das war sehr unüberlegt und planlos", sagte Jungnitsch. "Er weiß, dass wir ihm auf der Spur sind."

Stefanie Baumer, Jörg Taron/DPA DPA

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