HOME

Haft für den Autobahnschützen: "Um ein Haar Leben ausgelöscht"

Überfüllte Rastplätze und ständiger Stau: Ein Fernfahrer schoss aus Frust auf Lastwagen, nur durch Zufall gab es keine Toten. Der Fall ist einzigartig in der deutschen Kriminalgeschichte.

Fernfahrer Michael K. im Landgericht Würzburg. Der 58-Jährige wurde zu zehneinhalb Jahre Haft verurteilt.

Fernfahrer Michael K. im Landgericht Würzburg. Der 58-Jährige wurde zu zehneinhalb Jahre Haft verurteilt.

Er wollte seinem Ärger Luft machen. Hunderte Male schießt ein Fernfahrer deshalb während der Fahrt auf Lastwagen und spürt sofort eine gewisse Genugtuung. Doch Querschläger treffen auch Autos. Seinetwegen kommen mehrere Menschen nur knapp mit dem Leben davon. Jahrelang sucht die Polizei den Schützen, der es vor allem auf Autotransporter abgesehen hat. Mehr als 700 Schüsse registrieren die Ermittler zwischen 2008 und 2013. Doch sie fahnden ohne Erfolg. Erst dank der massenhaften Erfassung von Autokennzeichen an sieben Autobahnabschnitten kommen sie ihm auf die Spur.

Am Donnerstag ist der 58 Jahre alte Mann aus der Eifel zu einer Haftstrafe von zehneinhalb Jahren unter anderem wegen vierfachen versuchten Mordes verurteilt worden. Die Kammer könne "Selbstjustiz auf deutschen Autobahnen" nicht dulden, sagt der Vorsitzende Richter Burkhard Pöpperl zur Urteilsverkündung.

Er schoss aus dem Verborgenen

Der Angeklagte nimmt das Urteil mit ernstem Blick und ohne weitere Reaktion auf. Er hatte die Taten von Anfang an gestanden und sich bei den Opfern seiner Schüsse entschuldigt. Er habe nie jemanden verletzten wollen und immer nur auf die Aufbauten der Transporter gezielt, beteuerte er.

Die Strafkammer des Landgerichts Würzburg sieht das anders. "Fehlschüsse, Durchschüsse waren nicht ausgeschlossen und wurden von Ihnen bewusst in Kauf genommen", sagt Pöpperl. Er habe "um ein Haar ein Leben ausgelöscht". Sein Handeln sei heimtückisch gewesen. Davon sind die Richter überzeugt. Der Fernfahrer schoss aus dem Verborgenen, zum Teil über mehrere Fahrspuren und mehrere hundert Meter hinweg. Er habe "Russisch Roulette" gespielt. "Von ihm ging eine tödliche Gefahr aus."

Der füllige Mann mit dem Schnauzbart und dem goldenen Ohrring im linken Ohrläppchen ist ein Tüftler und Waffenfreund. Das wurde vor Gericht immer wieder klar. Seine Waffen, die Schalldämpfer und Munition bastelte er zum Teil selbst. Seine Werkstatt war sein Heiligtum. Der gelernte Werkzeugmacher ließ nur wenige dort hinein.

Verteidigung will in Revision gehen

Schließlich setzten die Ermittler auf die Automatische Kennzeichen-Erfassung, Maut-Daten dürfen sie nicht auswerten. Millionen von Kennzeichen wurden für zehn Tage gespeichert und im Falle eines Schusses ausgewertet. Und das brachte endlich den langersehnten Treffer.

Im Juni 2013 zieht sich die Schlinge zusammen. Der 58-Jährige wird von vermummten Spezialkräften der Polizei in seinem Wohnort Kall in der Nordeifel festgenommen. Zwei Pistolen, ein Schießkugelschreiber und rund 1300 Schuss Munition finden die Einsatzkräfte.

Der Fall, den BKA-Chef Ziercke als "bislang einzigartig in der Geschichte" beschrieben hatte, wird noch ein Nachspiel haben. Die massenhafte Erfassung von Autokennzeichen war der Verteidigung zufolge gesetzeswidrig. Sie will deshalb Revision gegen das Urteil einlegen und vor den Bundesgerichtshof ziehen.

mka/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.