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Wallenfels unter Schock: Acht tote Babys in einem Haus gefunden - Suche nach 45-jähriger Frau

Eine heile Welt habe man doch eigentlich hier im Ort, sagt der Bürgermeister. Und jetzt? In einem schmucklosen, aber gepflegten Haus findet die Polizei acht tote Babys. Wallenfels in Oberfranken steht unter Schock.

Von Kathrin Zeilmann

Acht Babyleichen hat die Polizei in einem schmucklosen Haus in Wallenfels in Oberfranken gefunden.

Die Spurensicherung hat das Haus übernommen. Hier fand die Polizei am Nachmittag acht Babyleichen. Wallenfels in Oberfranken steht unter Schock.

Die Vorhänge und Rollläden sind geschlossen. Aber im obersten Stockwerk an den Fenstern hängen Kinderbilder. Selbst gebastelt. Doch was ein Notarzt und die Polizei hinter der Fassade des schmucklosen, aber gepflegten Hauses in der oberfränkischen Kleinstadt Wallenfels entdeckt haben, nimmt einem den Atem: Mindestens acht Babyleichen lagen in dem Haus. Es dürfte sich um einen der schlimmsten Fälle in Deutschland handeln.

Es ist ein kühler und nebliger Herbstmorgen in dem 2800-Seelen-Ort mitten im Frankenwald. Das Städtchen ist ein Erholungsort, man kann im Sommer Floßfahrten auf der Rodach buchen. Dass Polizei und Rechtsmediziner in der Nacht zuvor hier einen Großeinsatz mit grausigen Funden hatten, fällt auf den ersten Blick gar nicht auf. Nur ein Kleinbus der Polizei parkt an der Hauptstraße. Und nach und nach rücken Reporter und Kamerateams an. Auch die Anwohner wissen zunächst wenig.


Eine nette und anständige Familie

Die Familie, die in dem Haus gelebt habe, sei nett und anständig gewesen, sagt eine ältere Frau, die zwei Häuser weiter lebt. "Wir sind so geschockt", sagt sie noch. Wie viele Babyleichen am Donnerstag in dem Haus gefunden wurden, ist am Freitagvormittag zunächst unklar, die Polizei hält sich bedeckt. Erst gegen Mittag kommt dann die Mitteilung, die dem Fall noch einmal eine neue Dimension verleiht - sieben tote Säuglinge würden derzeit in der Rechtsmedizin Erlangen obduziert. Möglicherweise seien es sogar noch mehr. Am Nachmittag dann die Meldung, dass eine achte Leiche gefunden wurde. Wann die Babys starben und warum - das muss noch geklärt werden. 

Die ganze Stadt trauert 

Noch weiß niemand genau, was in dem Haus mitten in Wallenfels geschah. Medien spekulieren über das familiäre Umfeld, die Wallenfelser halten sich jedoch bedeckt. "Mir fehlen die Worte", sagt ein Mann, der am Haus vorbeiläuft. Bürgermeister Jens Korn (CSU) ringt um Fassung. Eine heile Welt habe man doch eigentlich im Ort, sagt er. "Solche Themen kannten wir nur aus dem Fernseher." In Wallenfels sei die Ortsgemeinschaft intakt. Viele Bürger beschäftige deshalb die Frage, ob man diese Tragödie verhindern hätte können - etwa mit Hilfsangeboten. "Es herrscht Trauer in unserer Stadt um die Kinder, die nicht leben durften."

45-Jahre alte Frau wird gesucht

Gesucht wird nach einer 45 Jahre alten Frau, die möglicherweise die Mutter der Kinder ist. Sie soll bis vor kurzem in dem Haus gelebt haben, wie eine Polizeisprecherin sagte. Offen blieb zunächst, wie die Babys zu Tode kamen und wann sie starben. Die Leichen seien in einem schlechten Zustand, sagte die Sprecherin. Obduktion-Ergebnisse erwarten die Ermittler aber erst in der kommenden Woche.

Anwohnerin informierte die Polizei

Oberstaatsanwalt Martin Dippold sagte, man wisse zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal, ob die Kinder nach der Geburt am Leben waren. Eine Anwohnerin hatte am Donnerstagnachmittag den Notruf gewählt, nachdem sie in der Wohnung die sterblichen Überreste eines Säuglings gefunden hatte. Daraufhin entdeckten die alarmierten Polizisten in einem Zimmer mehrere weitere Leichen. In welchem Verhältnis die Anruferin zu den Hausbewohnern steht, sagte die Polizei zunächst nicht.

Spekulationen über familiäre Verhältnisse

Die gesuchte Frau wurde bis zum Freitagnachmittag nicht gefunden. Ob sie als dringend tatverdächtig gilt, wollte die Sprecherin nicht sagen. "Nach ihr wird zumindest gesucht als mögliche Mutter der Kinder." Zu persönlichen Details über die Frau und zu den familiären Verhältnissen der Hausbewohner hielten sich Polizei und Staatsanwaltschaft bedeckt. Diese Aspekte spielten eine wichtige Rolle bei den Ermittlungen, teilte die Staatsanwaltschaft Coburg mit. Die Sprecherin bestätigte, dass die 45-Jährige offenbar bis vor einiger Zeit in dem Haus gewohnt hat. Wer sonst noch dort lebt, wollte sie nicht sagen.

Ermittlungsgruppe "Schlossberg" gegründet

Mittlerweile wurde die Ermittlungsgruppe "Schlossberg" gegründet. "Es sind noch sehr viele Personen zu befragen und es erfolgen auch weitere Durchsuchungsmaßnahmen", sagte die Polizeisprecherin. Dabei soll vor allem das Anwesen selbst noch genauer unter die Lupe genommen werden. "Unter Umständen kommen auch noch andere Objekte dazu." Es werde jetzt alles, was möglich sei, so zeitnah wie möglich gemacht. 

DPA