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Babymord von Gifhorn: Polizeihunde schnüffeln mit Duft aus der Konserve

Mit durchgeschnittener Kehle wurde ein Baby 2005 an einem See bei Gifhorn gefunden. Mit einer neuartigen Methode will die Polizei nun den Mörder des Säuglings finden: Speziell trainierte Spürhunde haben die Fährte aufgenommen.

Viereinhalb Jahre nach einem Babymord bei Gifhorn haben Spezialhunde über hunderte Kilometer Geruchsspuren verfolgt, die eventuell zur Lösung des Falls beitragen könnten. Wie die Ermittler in der niedersächsischen Stadt am Donnerstag mitteilten, nahmen sogenannte Mantrailing-Hunde im November am damaligen Leichenfundort an einem See Witterung auf und verfolgten die potenzielle Duftspur seither schrittweise bis zur Autobahn 7 in Richtung Hannover und Hamburg sowie weiter bis nach Schleswig-Holstein. Dort werde die Suche fortgesetzt.

Noch sei unklar, ob und gegebenenfalls wie diese Spur zur Aufklärung des Verbrechens beitrage, sagte ein Polizeisprecher in Gifhorn. Der Einsatz von Mantrailing-Hunden sei hierzulande absolutes Neuland. "Aber wenn es klappen sollte, dann wäre es eine spektakuläre und tolle Sache." Seinen Angaben nach sind solche Tiere in der Lage, den Duft von Menschen anhand zurückgelassener Hautschuppen und andere Spuren auch nach vielen Monaten und Jahren wahrzunehmen. Bei der aufwändigen aktuellen Suchaktion würden die Hunde etwa an Autobahnabfahrten gefahren, wo sie nach der vorübergehenden Sperrung prüften, wo der Verursacher abgebogen sei. Auf diese Weise tasteten sie sich langsam an der Spur entlang.

Das Baby wurde im Sommer 2005 mit durchgeschnittener Kehle an einem Badesee gefunden. Das Neugeborene war in eine Plastiktüte gewickelt. "Von dieser Tüte und von Blutspuren der Mutter haben wir damals Geruchsproben genommen. Diese helfen jetzt den Hunden, die Spur erneut aufzunehmen", sagte der Sprecher.

Denkbar ist nach Angaben des Sprechers unter anderem auch, dass die von den Tieren verfolgten Duftspuren vom Fundort des toten Neugeborenen jüngeren Datums seien und nicht schon von der Tat Ende Juni 2005 stammten. So sei es möglich, dass der potenzielle Täter später noch einmal zurückgekehrt sei. Es könnte sich etwa um die Mutter des Mädchens handeln, dem damals offenbar unmittelbar nach der Geburt die Kehle durchgeschnitten worden war. Dies sei aber alles Spekulation, betonte er.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Beamten bei der Aufklärung des Falls der in einer Plastiktüte an dem Gewässer im Landkreis Gifhorn abgelegten Babyleiche ungewöhnliche Wege beschreiten. Den Angaben zufolge hatten sie unter anderem eine Isotopenanalyse aus den Knochen und Fingernägeln des Säuglings erstellt lassen. Dabei fanden Wissenschaftler heraus, dass die Mutter wohl aus der russischen Republik Karelien stammt und in den letzten Monaten vor der Geburt in der norddeutschen Tiefebene gelebt haben könnte.

AFP/DPA / DPA