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Bahlsen Keks da, alles gut?


Der gestohlene Bahlsen-Keks ist wieder aufgetaucht. Dennoch wirft der Fall Fragen auf. Fest steht: Der Keks-Hersteller dürfte von der Aktion profitiert haben.
Von Carsten Heidböhmer

Über diesen Diebstahl amüsierte sich die gesamte Republik: Dem hannoverischen Gebäckhersteller Bahlsen wurde im Januar sein Wahrzeichen entwendet - ein 22 Kilo schwerer, vergoldeter Keks, der seit 100 Jahren auf dem Dach des Stammhauses prangte und von dem Jugendstil-Bildhauers Georg Herting stammt. Nach zwei Bekennerschreiben, lustigen Fotos und viel Medienbohei ist der Keks nun wieder aufgetaucht: Er hing mit einer roten Schleife um das Pferdedenkmal vor der Leibniz-Universität.

Damit hat einer der skurrilsten Diebstähle seit Langem sein glückliches Ende gefunden. Für die Firma Bahlsen ein doppelter Grund zur Freude: Die wertvolle Plastik kehrt an ihren angestammten Platz zurück. Und über die wochenlange Medienpräsenz wird sich der Keks-Produzent sicherlich auch nicht geärgert haben. Der PR-Effekt ist so groß, dass bei manchem der Verdacht entstand, es könne sich bei der Geschichte um eine fingierte Aktion handeln. Denn bereits im Dezember hatte es Bahlsen in die Medien geschafft: Zunächst hatte die Firma verkündet, das Weihnachtssortiment einstellen zu wollen. Doch aufgrund einer "Flut von Verbraucherreaktionen" habe man sich zur Fortführung entschlossen.

Das Problem dabei: Es gab keine solche Flut. Zumindest nicht in den sozialen Netzwerken. Mehrere Medien, darunter "sueddeutsche.de", äußerten den Verdacht einer PR-Kampagne - den das Unternehmen vehement zurückwies.

Alles nur fingiert?

Als kurz darauf der goldene Keks verschwand, zählte so mancher eins und eins zusammen und kam zu dem Schluss, es handele sich erneut um eine geplante Aktion. Dieser Verdacht wurde etwa auf "bild.de" geäußert.

Vieles spricht in diesem Fall jedoch dagegen. Zunächst einmal die heftige Reaktion von Unternehmenschef Werner M. Bahlsen, der klare Worte benutzte: "Es ist eine Straftat. Wir wollen, dass die Sache aufgeklärt wird", hatte der 63-Jährige nach dem Diebstahl gesagt. Und auch eine Unternehmenssprecherin dementiert auf Nachfrage heftig: "Das wäre Vortäuschung einer Straftat."

Die Polizei Hannover bestätigt, dass die Firma Bahlsen den Diebstahl selbst zur Anzeige gebracht hat. Eine dumme Entscheidung, wäre das alles nur ein PR-Gag gewesen. Es gebe zudem keine Anzeichen, dass es sich um einen fingierten Raub handele, wie eine Sprecherin stern.de sagte. Auch innerhalb der Agentur-Branche hält man eine solche Aktion für "zu gewagt", wie ein Insider berichtet. Die Konsequenz wäre, dass die Agentur über die Geschichte niemals sprechen dürfe. Nicht von seinen eigenen Coups reden zu dürfen - das sei in einer von Eitelkeiten geprägten Branche beinahe unmöglich.

Zehn Tage hat den Diebstahl keiner bemerkt

Dennoch bleiben einige Fragezeichen und Ungereimtheiten. So wurde der Goldkeks vermutlich am 11. Januar gestohlen. Bemerkt wurde der Diebstahl jedoch erst zehn Tage später - obwohl die Plastik über dem Stammhaus installiert war, wo täglich zahlreiche Angestellte ein- und ausgehen. So ganz kann sich bei Bahlsen auch niemand erklären, weshalb der Raub so lange unentdeckt bliebt. Eine Sprecherin führt das schmuddelige Januarwetter als Begründung an.

Zudem fehlt das Motiv für eine Straftat: Weder profitiert der Dieb persönlich, noch ist eine politische Motivation erkennbar. Die Polizei ermittelt jedenfalls weiter - gut möglich, dass die offenen Fragen noch geklärt werden können.

Zumindest scheint die Beute sichergestellt: Inzwischen hat die Polizei die Echtheit bestätigt. Damit dürfte nun wieder Ruhe einkehren. Bei Bahlsen ist man darüber jedenfalls froh - auch wenn die viele kostenlose Medienpräsenz sicher nicht geschadet haben dürfte.


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