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Bahn-Unglück: ICE-3 werden häufiger kontrolliert

Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme: Die Bahn wird nach der Beinahe-Katastrophe von Köln die ICE-3-Züge wesentlich häufiger überprüfen als bisher. Ein Schienenexperte hatte der Bahn zuvor Schlamperei bei der Wartung vorgeworfen.

Nach der Entgleisung eines ICE-3 am Kölner Hauptbahnhof will die Bahn die Schnellzüge künftig wesentlich häufiger überprüfen als bisher. Die Modelle der neuesten ICE-Generation würden künftig bereits alle sechs Wochen nach 60.000 Kilometern statt erst nach 300.000 Kilometern kontrolliert, sagte eine Unternehmenssprecherin am Sonntag. "Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wir wollen auf Nummer sicher gehen", sagte die Sprecherin. Die aktuelle Überprüfung von bisher knapp der Hälfte der 61 ICE-3-Modelle habe keine Beanstandungen ergeben. Die Ursache für den Unfall sei weiterhin unklar.

Flotte aus dem Verkehr gezogen

Die Bahn hatte nach dem Achsbruch an einem dieser Züge die gesamte Flotte aus dem Verkehr gezogen. Ein ICE-3 war am Mittwoch auf der Fahrt von München nach Dortmund bei der Ausfahrt aus dem Kölner Bahnhof nach einer Notbremsung durch das Zugpersonal entgleist. Zuvor hatten Reisende in dem betroffen Wagen das Zugpersonal mehrfach auf verdächtige Geräusche aufmerksam gemacht.

Markus Hecht, Professor für Schienenfahrzeuge an der Technischen Universität Berlin, hat der Bahn Schlamperei vorgeworfen. Dem "Tagesspiegel" sagte er: "Ein solcher Defekt ist das Gefährlichste, was es gibt." Die Achse des ICE müsse schon länger geschädigt gewesen sein. "Stahl reißt nur langsam - der Schaden muss also schon länger vorhanden gewesen sein". Es gebe keine automatischen Systeme bei den ICEs, um solche Schäden frühzeitig zu erkennen.

Zugverkehr normalisiert sich

Nach den Zugausfällen am Freitag normalisiert sich der Bahn-Verkehr wieder. Am Sonntag mussten noch 22 ICE-Verbindungen gestrichen werden. Ein Bahnsprecher berichtete von einer "deutlich entspannten" Lage. Am (morgigen) Montag sollen wieder fast alle ICE-Verbindungen angeboten werden. Am Freitag und auch am Samstag war es zu teils erheblichen Verspätungen und zahlreichen Zugausfällen gekommen, weil die Bahn ihre ICE-Züge der dritten Generation zu einem Sicherheitscheck in die Werkstätten gerufen hatte.

AP/DPA / AP / DPA
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