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Bahnerpressung: Polizei nimmt drei AZF-Verdächtige fest

Rund fünf Wochen nach dem Fund der ersten Bombe der mysteriösen Bahnerpresserbande "AZF" hat die französische Polizei drei Verdächtige festgenommen. Beweise sind aber immer noch Mangelware.

Rund fünf Wochen nach dem Fund der ersten Bombe der mysteriösen Bahnerpresserbande "AZF" hat die französische Polizei drei Verdächtige festgenommen. Es seien aber keine handfesten Beweise gefunden worden, verlautete aus Polizeikreisen in Paris.

Die Bande hatte im Februar eine funktionstüchtige Bombe auf der Bahnstrecke Paris-Basel deponiert und zuletzt ein Blutbad "schlimmer als in Madrid" angekündigt, um eine Millionensumme zu erpressen. Unterstützt vom Militär hatte die Bahngesellschaft SNCF deswegen zwei Mal die Kontrolle des gesamten 32.500 Kilometer langen Streckennetzes angeordnet. Im Schlepptau der spektakulären Erpressung hatten auch Trittbrettfahrer mit Bombenanschlägen gedroht. Dies hatte zu schweren Behinderungen im französischen Zugverkehr geführt, weil immer wieder Bahnhöfe oder Strecken nach Bombendrohungen gesperrt werden mussten.

"Mehr oder weniger mit der Luftfahrt verbunden"

Die Festgenommenen seien "mehr oder weniger mit der Luftfahrt verbunden", verlautete aus Polizeikreisen. Die AZF hatte stets Geldübergaben mit dem Hubschrauber gefordert und Ortsangaben im Stil von Fachleuten gegeben. Mehrere Tage lang seien die zwei Männer und eine Frau von der Polizei überwacht worden, hieß es. Sie hätten sich verdächtig gemacht, weil sie in der Nähe eines Flughafens gewesen seien, wo im Februar eine Geldübergabe gescheitert war. Einer der Männer soll Pilot sein und gute technische Kenntnisse haben.

Nur eine Spur, keine Beweise

Am Donnerstagabend griffen die Fahnder bei Paris und nahe der Loire zu und durchsuchten die Wohnungen der Verdächtigten. Das Ergebnis war allerdings mager. "Das ist eine Spur, die wir zu Ende verfolgen wollen", sagte ein Ermittler. "Wir haben keine Beweise." Die Stimme der Frau sei nicht identisch mit derjenigen, die "der Polizei bekannt" sei, und die Verdächtigten hätten sich während ihrer Überwachung "nicht so bewegt", wie es von der AZF zu erwarten sei.

Das Werk von Profis

Dass die AZF es ernst meint, wissen die Fahnder seit dem 21. Februar. Damals wurde nach Hinweisen der Erpresser auf einem 50 Meter hohen Viadukt auf der viel befahrenen Strecke Paris-Toulouse eine hoch gefährliche Bombe entdeckt. "Die Bombe war eines Feuerwerkers würdig", sagte ein Ermittler. Als der Sprengkörper versuchsweise unter einem Gleis gezündet wurde, wurden Gleisteile bis zu 50 Meter hoch geschleudert. Die Täter forderten vier Millionen Dollar in 20- und 50-Dollar-Scheinen sowie eine Million Euro. Später erhöhten sie ihre Forderung um eine Million.

Nachdem die Erpressung in die Schlagzeilen geraten war, schickte die SNCF am 4. März mehr als 10.000 Mitarbeiter los, um alle Bahnstrecken abzusuchen. Zur Überwachung der Anlagen wurden neben Polizisten auch Tausende Soldaten eingesetzt, zumal seit den Anschlägen von Madrid auch eine Bedrohung durch islamische Terroristen für wahrscheinlich gehalten wird. Erst am Mittwoch wurde ein Sprengkörper an der Bahnstrecke Paris - Basel entdeckt. Allerdings ist die Herkunft dieser Bombe unklar.

Mit ihrem Namen "AZF" erinnert die Erpresserbande an die Explosion der Chemiefabrik AZF, bei der vor drei Jahren in Toulouse 30 Menschen zerrissen worden waren. Die Behörden setzten mehr als 600 Ermittler auf die Spur der Täter, darunter Geheimagenten und Anti-Terror- Spezialisten. Die drei Festgenommenen wurden in die Räume der Antiterroreinheit DNAT (Division Nationale Antiterroriste) in Paris gebracht.

DPA / DPA