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Baustellen-Diebe: Beutezüge auf Bestellung

Durch Diebstähle auf Baustellen entstehen dem ohnehin krisengeschüttelten Baugewerbe Schäden in Millionenhöhe. Oft sind spezialisierte Banden aus Süd- oder Südosteuropa am Werk.

Die Diebe kommen am Wochenende. Auf Baustellen holen sie sich Betonmischer, Radlader und tonnenschwere Straßenwalzen - oft auf Bestellung. Wenn montags der Diebstahl bemerkt und der Polizei gemeldet wird, sind die Täter schon über alle Berge. Allein in Bayern gab es seit Januar 80 schwere Fälle. "Der Schaden geht inzwischen in die Millionenhöhe", sagte Werner Hüttner vom Landeskriminalamt in München.

Von einer Baustelle bei Stuttgart stahl eine Gruppe von Serben kürzlich zwei schwere Lastwagen. Sonderermittler hatten die sechs Männer schon längere Zeit im Visier gehabt. "Sie waren offensichtlich auf Lkw spezialisiert", erklärte Polizeisprecher Armin Ganserer. Als sie auf der Heimfahrt über die österreichische Grenze fahren wollten, schlug die Polizei zu.

Geräte für die eigene Baufirma

Hinter vielen Baumschaschinen-Diebstählen "vermuten wir Banden aus Süd- oder Südosteuropa", sagte Hüttner. Im Saarland dagegen wurden kürzlich zwei algerische Brüder verhaftet. "Die wollten mit den Geräten in Algerien eine ganze Baufirma aufziehen", sagte Thomas Puhl, Sachbearbeiter beim LKA in Saarbrücken. "Natürlich sind da aber noch andere Banden am Werk." Viele Baumaschinen landeten in Afrika.

Auch im Landkreis Karlsruhe hatte die Polizei dieses Jahr mit einer Serie von Diebstählen zu kämpfen. "Vor allem teure Radlader wurden gestohlen", sagte ein Sprecher. Aussagen von Anwohnern deuteten darauf hin, dass die Täter aus Südosteuropa kamen. Aufklären konnte die Polizei die Fälle aber nicht. Die Beamten empfahlen den Bauunternehmen, die Baustellen stärker zu sichern, die Geräte zu fotografieren und Nummern einzugravieren. "Seitdem ist die Situation deutlich entschärft", sagte der Sprecher.

Für das ohnehin krisengeschüttelte Baugewerbe sind die Diebeszüge trotzdem ein Fiasko. "In unserer Branche müssen wir ja sowieso jeden Cent umdrehen", erklärte Hans Stiglocher vom Zentralverband des deutschen Baugewerbes. Die Diebe gingen immer dreister vor: "Die Frechheit kennt keine Grenzen mehr!" Nur 20 Prozent der Baumaschinen sind überhaupt versichert. "Und die Versicherung ersetzt ja nur den Zeitwert", erklärte Stiglocher. Doch der beträgt meist nur den Bruchteil des Neupreises. Zwar bemühten sich die Hersteller verstärkt um Sicherheitsvorkehrungen wie GPS, um Maschinen überall orten zu können. "Aber wenn ein Lkw einmal im Ausland landet, ist er normalerweise weg."

Diebstähle trotz modernster Sicherheitstechnik

Sieben Mal schon wurde bei der Baufirma Renner in München in den vergangenen zwei Jahren eingebrochen. Anfang des Jahres kam es ganz dick: Ein Lastwagen im Wert von 160.000 Euro war einfach weg. Die Versicherung erstattete nur noch die Hälfte, der neue Lkw kostete 180.000 Euro, und der Leihwagen für die Zwischenzeit schlug mit weiteren 20.000 zu Buche. Elisabeth Renner war der Resignation nahe: Der neue Lastwagen sei zwar mit modernster Sicherheitstechnik ausgerüstet. "Aber die Diebe sind doch sowieso immer ein Stückchen weiter."

Til Huber/AP / AP