Bayern U-Bahn-Schlägern droht Ausweisung


Einen Tag vor der Urteilsverkündung steht für die U-Bahn-Schläger von München eines schon fest: Sie werden nach Verbüßung ihrer Strafe nicht in Deutschland weiterleben. Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann will beide ausweisen.

Die Münchner U-Bahn-Schläger müssen mit ihrer Abschiebung rechnen. Einen Tag vor der Urteilsverkündung sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann: "Für mich ist ganz klar, dass die brutalen U-Bahn-Schläger ausgewiesen und nach Verbüßung der Haftstrafe auch abgeschoben werden müssen." Alles andere wäre inakzeptabel.

Der 21-jährige Serkan A. und der 18-jährige Spyridon L. hatten im Prozess den Überfall auf einen Rentner gestanden, der sie auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen hatte. Sie hatten den 76-Jährigen mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf lebensgefährlich verletzt. Die Tat vier Tage vor Weihnachten war von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden und hatte eine bundesweite Debatte über Jugendkriminalität ausgelöst. Der CSU-Politiker Herrmann sagte: "Es würde niemand verstehen, wenn Ausländer, die eine derartige Brutalität an den Tag legen, weiter in Deutschland bleiben könnten, zumal ein Täter auch noch seine deutschfeindliche Haltung deutlich zum Ausdruck gebracht hat."

Letztes Wort hat Innenministerium

Die Ausländerbehörde der Stadt München erklärte, nach einem rechtskräftigen Urteil werde sie ihr weiteres Vorgehen prüfen und mit der Regierung von Oberbayern abstimmen. Maßgebliche Behörde bei Abschiebungen ist letzten Endes aber das Innenministerium. Nach einwöchigem Prozess will die Jugendkammer des Landgerichts München am Dienstag ihr Urteil verkünden. Die Staatsanwaltschaft hat zwölf und neun Jahre Haft wegen versuchten Mordes gefordert. Die Verteidigung plädierte auf höchstens vier Jahre Jugendstrafe beziehungsweise auf eine angemessene Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Der Prozess wurde vor der Jugendkammer verhandelt, weil Spyridon L. zur Tatzeit 17 Jahre und Serkan A. 20 Jahre alt war.

Straftäter in München aufgewachsen

Der Türke Serkan A. ist in München geboren, der Grieche Spyridon L. war als Kind mit seinen Eltern eingewandert. Beide sind in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen, geschlagen worden, haben die Schule abgebrochen und waren wegen früherer Straftaten polizeibekannt. Den Überfall in der U-Bahn hatten sie auch mit übermäßigem Alkoholkonsum erklärt. Gutachter hatten das allerdings bezweifelt und beiden volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Der heute 21-jährige Serkan A. sei für eine Therapie nur noch schwer zugänglich und bereits "veränderungsresistent", hatte ein Psychologe gesagt. In ihren Schlussworten hatten beide Angeklagte ihre Reue betont und ihre feste Absicht erklärt, die Schule nachzuholen und sich zu bessern.

AP AP

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