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Befreite Frauen in London: Durch "unsichtbare Handschellen" versklavt

Was mussten die drei, aus einem Londoner Keller befreiten Frauen erdulden? Allmählich werden Einzelheiten bekannt. "Unsichtbare Handschellen" hätten sie festgehalten. Von "Gehirnwäsche" ist die Rede.

Die in einem Haus in London jahrzehntelang wie Sklavinnen gehaltenen drei Frauen sind während ihrer Gefangenschaft nach Polizeiangaben geschlagen worden und starkem psychischem Druck ausgesetzt gewesen. Es sei möglich, von "Gehirnwäsche" zu sprechen, "aber das würde den jahrelangen mentalen Missbrauch verharmlosen", sagte Ermittler Steve Rodhouse von Scotland Yard am Freitag. Das mutmaßliche Täterpaar, ein 67-jähriger Mann und eine gleichaltrige Frau, wurden zunächst gegen Kaution freigelassen.

Rodhouse sprach von "unsichtbaren Handschellen", die den Frauen angelegt worden seien. "Was wir bisher herausgefunden haben, ist ein kompliziertes und verstörendes Bild emotionaler Kontrolle über viele Jahre hinweg", sagte er. Der Fall sei "einmalig". Rodhouse gab zudem an, dass das mutmaßliche Täterpaar in den 1970er Jahren schon einmal festgenommen worden sei. Details nannte er allerdings nicht.

Die beiden Tatverdächtigen, die keine Briten sind, waren am Donnerstag festgenommen worden. Wie die Polizei mitteilte, sollen sie in ihrem Haus im Süden Londons die drei Frauen über Jahrzehnte gegen ihren Willen festgehalten haben. Die drei Opfer, eine 69 Jahre alte Malaysierin, eine 57-jährige Irin und eine 30-jährige Britin, wurden bereits am 25. Oktober befreit.

Das Paar wurde zunächst bis Januar auf Kaution freigelassen, ihre Pässe wurden eingezogen. Zudem dürfen sie nicht in das fragliche Haus zurückkehren. Bis Januar sollen nun weitere Informationen zu dem Fall gesammelt werden. Zum Zustand der Frauen teilte die Polizei mit, alle drei seien "extrem traumatisiert".

Sklaverei - ein weltweites Problem

Nach Polizeiangaben wurden die Frauen an einen sicheren Ort gebracht. Die 30-Jährige verbrachte offenbar ihr gesamtes Leben in Gefangenschaft. Die Polizei erklärte, die Beziehung zwischen den drei Frauen sei Gegenstand von Ermittlungen und sie wolle darüber "nicht spekulieren". Es gab zunächst keine Hinweise darauf, dass die Frauen während ihrer Gefangenschaft sexuell missbraucht wurden.

Die Wohltätigkeitsorganisation Freedom Charity, die gegen Sklaverei und Zwangsehen kämpft, hatte die Polizei auf den Fall aufmerksam gemacht. Die Irin hatte den Angaben zufolge am 18. Oktober heimlich bei der Organisation angerufen, nachdem sie durch einen Dokumentarfilm im Fernsehen auf Freedom Charity aufmerksam geworden war. Sie und die Britin trafen sich schließlich mit Mitarbeitern der Organisation und der Polizei.

Daraufhin identifizierte die Polizei die Adresse im südlichen Stadtteil Lambeth und befreite die Malaysierin. Laut der Polizei wurden die Tatverdächtigen erst am Donnerstag festgenommen, weil die Ermittler zunächst das Vertrauen der Frauen gewinnen und die Faktenlage klären mussten. Die Polizei sagte, die Frauen hätten in "kontrollierter Freiheit" gelebt und wohl die meiste Zeit innerhalb des Hauses verbracht.

Innenministerin Theresa May äußerte sich "schockiert" und versprach Maßnahmen gegen die "Plage der modernen Sklaverei". Der Präsident des Vereins Unseen, Andrew Wallis, sprach im Rundfunksender BBC von einem weltweiten Problem. "Vor 200 Jahren nutzte man Ketten, um die Sklaven einzuschließen, heute nutzt man psychologischen Zwang, um diese Leute zu kontrollieren", sagte er. Laut dem World Slavery Index leben weltweit 29 Millionen Menschen unter Umständen, die als Sklaverei bezeichnet werden können.

vim/AFP / AFP
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?