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Bernhard Günther: "Für mich schwer hinnehmbar" – mit Säure angegriffener Manager kritisiert Staatsanwaltschaft

Der mit Säure überschüttete Innogy-Manager Bernhard Günther kritisiert die Staatsanwaltschaft Wuppertal. Die Ermittler gehen inzwischen nicht mehr davon aus, dass der 52-Jährige sterben sollte.

Innogy-Manager Bernhard Günther nach dem Säureangriff

Innogy-Manager Bernhard Günther trat nach dem Säureangriff erstmals auf der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens im März wieder öffentlich auf

DPA

Er wurde mit Säure angegriffen und überlebte – schwer verletzt und schwer gezeichnet. Nun erhebt Bernhard Günther, Manager des Energienunternehmens Innogy, Vorwürfe gegen die Wuppertaler Staatsanwaltschaft.

Der Grund: Zunächst hatte die Behörde wegen versuchten Mordes ermittelt (Höchststrafe: lebenslänglich), inzwischen lautet der Vorwurf gegen den oder die Täter nur noch auf schwere Körperverletzung (Höchststrafe: zehn Jahre Gefängnis). Im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) zeigt sich der Energiemanager enttäuscht von der Neubewertung des Falls durch die Staatsanwaltschaft: "Ich bin sehr betroffen. Es ist für mich schwer hinnehmbar", sagte er dem Münchener Blatt. "Mein Arzt hat mir deutlich gemacht, dass ich einerseits großes Glück hatte, mein Augenlicht nicht zu verlieren." Andererseits hätte er beim Verschlucken oder Einatmen der Säure tödliche Verletzungen erleiden können, so der 52-Jährige. Auch der Anwalt Günthers geht laut SZ davon aus, dass der Tod seines Mandanten zumindest in Kauf genommen wurde.

Innogy setzte hohe Belohnung aus

Doch eine Tötungsabsicht sieht die Staatsanwaltschaft aktuell nicht: "Ziel des Anschlags war es, ihn zu entstellen", teilte sie nach der Festnahme eines ersten Verdächtigen im Oktober mit. Die Behörde sagte jedoch auch: "Unsere rechtliche Bewertung des Falls kann sich aber jederzeit bei entsprechendem Ermittlungsergebnis wieder ändern."

Beamte hatten vor rund drei Wochen einen 32-Jährigen festgenommen, der an dem Säureangriff auf Günther im März 2018 beteiligt gewesen sein soll. Der Verdächtige bestritt in ersten Vernehmungen, etwas mit der Tat zu tun zu haben. (Der stern berichtete.)

Dass die Polizei überhaupt einen mutmaßlich Beteiligten festnehmen konnte, ist offenbar nur der Hartnäckigkeit des Opfers und seines Arbeitgebers zu verdanken. Denn die Wuppertaler Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren im Herbst vergangenen Jahres zunächst ohne Ergebnis eingestellt. "Die Identität der Täter bleibt damit ebenso ungeklärt wie ihre Motive für den Anschlag. Es gab insbesondere weder Bedrohungen im Vorfeld noch Bekennerschreiben im Nachgang der Tat", erklärte die Behörde seinerzeit.

"Unverständlich und inakzeptabel", nennt der Manager die Entscheidung in der SZ. Günther beauftragte auf eigene Kosten Privatermittler, die Innogy-Geschäftsführung öffnete ebenfalls die Schatulle und lobte eine Belohnung von 80.000 Euro für die Ergreifung des oder der Täter aus. Ein anonymer Hinweis führte letztendlich zu dem Verdächtigen, die Behörden nahmen ihre Arbeit wieder auf und nahmen den Mann fest. Günther weiß laut SZ um sein Privileg als gut verdienender Manager. Hätte er sich die privaten Nachforschungen nicht leisten können, wäre die Akte womöglich geschlossen geblieben.

Bernhard Günther mit Säure überschüttet

Von den Hintermännern oder Auftraggebern der Tat fehlt jedoch weiterhin jede Spur. Vieles deutet auf einen Konkurrenzkampf in der Energiebranche hin, die Behörden und auch Günther selbst äußern sich nicht dazu. 

Der Innogy-Finanzchef war am 4. März 2018 nach dem Joggen in der Nähe seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf überfallen worden. Zwei Männer warfen ihn zu Boden und übergossen ihn mit hochkonzentrierter Säure. Mit einem Hubschrauber kam er in eine Spezialklinik. Er lag wochenlang im Krankenhaus und nahm dann die Arbeit wieder auf. Der Manager trat im März bei einer Bilanzpressekonferenz erstmals wieder öffentlich auf. Die Folgen des Angriffs waren ihm noch anzusehen.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung", Strafgesetzbuch, Nachrichtenagentur DPA

wue