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Belgischer Kindermörder Dutroux: Gericht vertagt Entscheidung über vorzeitige Entlassung

120 Polizisten brachten Kindermörder Marc Dutroux zur Anhörung ins Gericht. Belgiens meistgehasster Verbrecher will vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Seine Chancen stehen schlecht.

Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen hat ein Gericht in Brüssel über einen Antrag auf Haftentlassung des belgischen Kindermörders Marc Dutroux, 56, beraten. Eine endgültige Entscheidung werde das Gericht am 18. Februar treffen, sagte der Gerichtspräsident Luc Hennart nach einer zweistündigen Anhörung. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder war am Montag persönlich zu der Sitzung im Brüsseler Justizpalast erschienen.

Die Anhörung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Angehörige der Opfer waren zwar zugelassen, viele hatten aber einen Boykott angekündigt. Die Opferfamilien werden üblicherweise zu den Auflagen bei einer vorzeitigen Haftentlassung angehört. Etwa 120 Polizisten waren im Einsatz, um für die Sicherheit zu sorgen. Dutroux wurde von dem rund 25 Kilometer entfernten Gefängnis in Nivelles südlich von Brüssel in die belgische Hauptstadt gebracht. Nach Angaben der Polizeigewerkschaft belaufen sich die Kosten für den Einsatz auf rund 50.000 Euro.

Dutroux' Chancen sind gleich Null

Dutroux hatte im September einen Antrag auf vorzeitige Freilassung mit elektronischer Fußfessel gestellt. Nach Gerichtsangaben wird es höchstwahrscheinlich keine Entscheidung über den Antrag oder gar über eine Freilassung Dutrouxs geben. Das Gericht hat zwei Wochen Zeit, sich zu äußern.

Die "Affäre Dutroux" hatte in den 1990er Jahren ganz Belgien erschüttert. Dutroux entführte sechs Mädchen, missbrauchte sie und folterte sie in einem geheimen Verlies seines Kellers. Dort starben vier von ihnen. 2004 war der meistgehasste Verbrecher Belgiens verurteilt worden. Seine damalige Frau und Komplizin Michelle Martin kam im vergangenen Sommer unter Auflagen frei.

Nach Ansicht von Experten sind die Chancen des verurteilten Mörders, in absehbarer Zukunft wieder auf freien Fuß zu kommen, gleich Null. Selbst Dutroux' Anwalt geht nicht davon aus, dass sein Mandant mit seinem Antrag durchkommt. "Es ist ein symbolischer Schritt", sagte Anwalt Pierre Deutsch dem belgischen Radiosender RTBF. Belgiens Justizministerin Annemie Turtelboom wollte sich im Fernsehsender RTL nicht zu den Chancen äußern: "Das ist Sache der Unabhängigkeit der Justiz."

Nach der Anhörung könnte das Gericht in einem zweiten Verfahrensschritt dann über die tatsächliche Entlassung befinden. Dies könnte weitere Wochen dauern. Nach belgischem Recht ist es möglich, dass verurteilte Mörder einen Antrag auf Freilassung stellen, wenn sie ein Drittel der Strafe abgesessen haben. Im Fall Dutroux entspricht das 16 Jahren, diese wären genau am 30. April 2013 abgelaufen.

anb/DPA / DPA