Belgisches Geiseldrama Das Chalet vom Zeitungskiosk


Der Hamburger Reiseunternehmer Vural Öger soll in Zusammenhang mit einer Geiselnahme in Belgien stehen. Was er bestreitet. Recherchen des stern zeigen, dass dieser Fall verwirrender ist, als angenommen.
Von Tilman Müller

Das Brüsseler Entführungsdrama, in dessen Folge indirekt auch der Hamburger Reiseunternehmer und Europa-Abgeordnete Vural Öger belastet wurde, wird immer verwirrender (siehe auch Kasten). Inzwischen schleichen sich bereits Falschmeldungen in der Presse ein. So fand der mutmaßliche türkischstämmige Kidnapper Ahmed Yumrukaya das Chalet-Apartment, in das er den Touristik-Unternehmer Eray Serimozu entführte, nicht über einen Aushang im Buchladen des Brüsseler EU-Parlaments, sondern über eine Annonce in einem Zeitungsladen am Boulevard Charlemagne beim Brüsseler Pressezentrum IPC, wo auch der stern ein Büro hat. Jedermann hat Zugang zu dem Eckladen.

Opfer ist Geschäftsführer einer belgischen Reiseagentur

Das Chalet im Ardennen-Dorf Libin gehört dem Ehepaar Benoit und Ana Keller. Deren Schwester Bernadette arbeitet in dem Zeitungskiosk am IPC und platzierte dort an der Wand neben der Eingangstür einen Zettel mit Angeboten für die drei Apartments in dem Chalet. Yumrukaya buchte eines der drei Apartments in dem Zeitungsladen direkt von Bernadette Keller - für die Zeit vom 2. bis 30. September und zahlte in zwei Raten.

Keller zum stern: "Ich habe meinem Bruder auf diese Weise schon oft Kunden besorgt, einen Zettel im Parlament haben wir aber nie aufgehängt." Das Chalet ist auch über das Internet buchbar.

Mehrfach türkische Männer gesehen

Chalet-Besitzer Benoit Keller hat während der Vermietungszeit mehrfach zwei türkische Männer gesehen. "Sie waren gut gekleidet und sagten, sie seien von einer Firma, die für die EU-Kommisssion arbeitet." Zweimal hat Keller die beiden Männer in Begleitung einer Dame mit langen schwarzen Haaren gesehen; sie fuhren einen roten Alfa Romeo. Einmal sah Keller auch einen grauen Kleintransporter vor dem Haus in der Straße "Les Petelles" in Libin.

Ob Yumrukaya und seine drei Kumpane früher Geschäftsbeziehungen zu ihrem Entführungsopfer Eray Serimozu unterhielten, ist bislang nicht bekannt. Innerhalb der türkischen Gemeinde Brüssels hat der etwa 35-jährige Yumrukaya einen äußerst schlechten Ruf. Eine türkische Korrespondentin zum stern: "Einmal hat Yumrukaya von einem Freund seines Vaters 30.000 Euro kassiert, um für dessen Tochter in Brüssel ein Apartment und einen Studienplatz zu finden - das Geld hat der Mann nie wieder gesehen."

Der Hamburger Reiseunternehmer und SPD-Europaabgeordnete Vural Öger sagte gegenüber der Presse, "ich wünsche mir, dass sich alles schnell aufklärt". Er kündigte an, baldmöglichst gegenüber den belgischen Behörden Stellung zu nehmen.


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