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Benzinschmuggel: "Rollende Benzinbomben"

Gefahrgutteams der Polizei und Zollbeamte registrieren einen "eklatanten Anstieg des Benzinschmuggels". Bei der Aussicht auf Einsparungen riskieren viele Fahrer, erwischt zu werden. Wer ertappt wird, muss Steuern nachzahlen.

"Rollende Benzinbomben" auf der Autobahn: Der Holzverschlag "Marke Eigenbau" auf dem Kleintransporter aus Wittlich zieht die Aufmerksamkeit des Gefahrguttrupps der Polizei schnell auf sich. Auf der Autobahn Luxemburg-Trier stoppen die deutschen Fahnder den Fahrer kurz hinter der Grenze. Unter dem Bretterkasten versteckt finden sie 500 Liter geschmuggelten Dieseltreibstoff, der in Luxemburg derzeit rund 30 Cent billiger ist als in Deutschland.

"Wir entdecken immer häufiger diese rollenden Benzinbomben", berichtet Günter Scalla, Leiter des Gefahrguttrupps des Polizeipräsidiums Trier. Nach dem Gefahrgutrecht dürfen in Luxemburg nur 20 Liter Sprit, in Deutschland 60 Liter in geprüften Behältern mitgeführt werden.

Monatlich 15 Fälle von Treibstoffdelikten

Im Schnitt verfolgt allein das deutsche Gefahrgutteam monatlich 15 Fälle von Treibstoffdelikten. Und auch die Zollbeamten registrieren seit einigen Wochen einen "eklatanten Anstieg des Benzinschmuggels". Bei der Aussicht auf erhebliche Spritpreis-Einsparungen riskieren viele Fahrer, dass sie erwischt werden. Je höher in Deutschland die Preise steigen, desto reger wird der Tanktourismus, bestätigt auch der luxemburgische Hauptzollinspektor Guy Loesch. In Wasserbillig etwa reiht sich eine Tankstelle an die andere. Oft gibt es bis spät am Abend Wartezeiten.

Loesch bemerkt, dass Tanktouristen von immer weiter her aus Deutschland kommen, um sich für eine längere Zeit einzudecken. "Das Schlimmste dabei ist, dass die Behälter in den meisten Fällen nicht geprüft und zugelassen sind", berichtet er.

Ein deutscher Zollbeamter berichtet, er habe im Juni im Gepäckraum eines Koblenzer Reisebusses 2500 Liter Diesel gefunden. Kurze Zeit davor stoppten die Zöllner einen Geländewagen aus Köln, der einen Aufbau mit 600-Liter-Tank hatte. Im Auto lag noch eine Quittung vom Vortag über die gleiche Menge. "Ermittlungen brachten uns schnell auf Belege über eine Menge von 35 000 Litern, die in Luxemburg gezapft wurden", erzählt der Beamte. Ein Spediteur soll meist ahnungslose Fahrer zu den Schmuggeltouren nach Luxemburg geschickt haben.

Wer ertappt wird, muss die Mineralölsteuer nachzahlen. Verfahren wegen Steuerhinterziehung und wegen unerlaubten Transports von gefährlichen Gütern sind möglich. Von 750 Euro für den fahrlässigen Gefahrguttransport bis zu 15 000 Euro bei Vorsatz reicht die Bußgeldspanne.

Abenteuerliche Transportmittel

"Meist informieren uns andere Autofahrer, die an luxemburgischen Tankstellen Verdacht über mögliche gefährliche Ladungen schöpfen", berichtet Scalla. Oft seien die Transportmittel abenteuerlich. "Da finden wir Wasserbehälter oder Großpackmittel", sagt Scalla.

Während an einer deutschen Tankstelle im vorigen Jahr im Schnitt rund 2,3 Millionen Liter Benzin verkauft wurden, lag der Vergleichswert in Luxemburg bei 5,4 Millionen Liter. Der Zentralverband des Tankstellen-Gewerbes (ZTG) warnt mit Blick auf das deutsch-luxemburgische Beispiel vor einem Tankstellensterben an anderen Grenzen wie etwa zu Polen und Tschechien.

Ulf Mauder/DPA / DPA
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