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Bericht zu Anschlägen von Oslo und Utöya: Polizei hätte Breivik schneller stoppen können

Die norwegische Polizei ist einer Expertenkommission zufolge viel zu spät gegen den Massenmörder Breivik eingeschritten. Eine schnellere Reaktion sei demnach eine "realistische Möglichkeit" gewesen.

Das Massaker des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik hätte vermutlich viel eher gestoppt werden können. Die Polizei sei viel zu spät gegen Breivik eingeschritten, heißt es in einem Expertenbericht, der am Montag in Oslo vorgelegt wurde. Eine schnellere Reaktion der Polizei auf der Ferieninsel Utøya sei "eine realistische Möglichkeit" gewesen. Die Vorsitzende der unabhängigen Expertenkommission übergab den 500 Seiten umfassenden Report an Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Breivik hatte im Juli vergangenen Jahres in Oslo und Utöya insgesamt 77 Menschen getötet. Noch in diesem Monat soll das Urteil gegen ihn gesprochen werden.

Die Verzögerung von 35 Minuten beim Einsatz der Polizei auf Utøya sei "nicht akzeptabel", heißt es in dem Bericht. Eine schnellere Reaktion der Polizei sei "eine realistische Möglichkeit" gewesen. Norwegens Polizeichef akzeptierte die Kritik an der Arbeitsweise der Sicherheitskräfte. Gjorv sagte, der Bericht zeige "mehrere große Schwächen" in der Reaktion auf die Anschläge auf. Es sei hart für die Hinterbliebenen, nun zu hören, dass eine bessere Arbeit der Polizei Leben hätte retten können.

So habe etwa die Kommunikation zwischen verschiedenen Einheiten der Polizei nicht ausreichend funktioniert. Die Notrufzentralen seien zudem überlastet gewesen. Berichte von Augenzeugen, die Breivik nach den Anschlägen im Osloer Regierungsviertel gesehen hatten, wurden nicht an die richtige Stelle weitergeleitet. Wäre das geschehen, hätten seine Bluttaten schon eher gestoppt werden können, heißt es weiter.

Die Kommission rät zu schärferen Waffenkontrollen

Der Bombenanschlag im Regierungsviertel, der acht Menschen das Leben kostete, hätte verhindert werden können, wenn bereits bestehende Sicherheitsmaßnahmen effektiver angewendet worden wären, teilte die zehnköpfige Kommission mit. Ministerpräsident Stoltenberg sagte, der Bericht sei "ehrlich und ungeschminkt". Jetzt lägen die Fakten auf dem Tisch.

Für die Zukunft rät die Kommission, den Verkauf von Waffen und Chemikalien schärfer zu kontrollieren, halbautomatische Waffen zu verbieten und die Teilnahme an terroristischer Ausbildung als Straftat zu ahnden. Ministerpräsident Stoltenberg hatte vor einem Jahr die zehn Mitglieder der Kommission benannt und ihnen den Auftrag auf den Weg gegeben, ein "sichereres Norwegen" zu schaffen und die Fakten zu klären. Gjorv sagte, die Berichterstatter hätten von der Polizei und anderen Behörden alle erbetenen Informationen erhalten.

Das Urteil im Prozess gegen Breivik soll am 24. August fallen. Breivik plädierte auf nicht schuldig, obwohl er die Anschläge gestand. Er gab an, die 77 Menschen aus "Notwehr" getötet zu haben, um Norwegen vor fremden Einflüssen zu schützen.

jar/fro/DPA / DPA