HOME

Artemis in Charlottenburg: Verdacht auf Menschenhandel: Großrazzia in Berliner Edelbordell

Die Berliner Polizei durchsucht Deutschlands berühmtestes Edelbordell im Stadtteil Charlottenburg. Insgesamt 900 Beamte sind im Einsatz, Haftbefehle wurden bereits vollstreckt.

Prostituierte im Berliner Edelbordell Artemis

Prostituierte im Berliner Edelbordell Artemis (Archivbild)

Polizei, Staatsanwaltschaft, Steuerfahndung und Zoll haben am Mittwochabend das Berliner Groß-Bordell Artemis durchsucht. An der Aktion seien insgesamt rund 900 Beamte beteiligt gewesen, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Davon waren ihm zufolge etwa 680 Polizisten; dazu kamen Kräfte der Zollinspektion und Steuerfahnder. Am Abend seien noch sechs Haftbefehle vollstreckt worden - gegen zwei Betreiber der Einrichtung und vier Frauen, die dort arbeiteten und gezielt gesucht wurden. Laut Redlich ging es unter anderem um Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und den Verdacht auf Menschenhandel.

Den Bordell-Betreibern werde vorgeworfen, Sozialversicherungsbeiträge veruntreut zu haben, erläuterte der Sprecher des Hauptzollamtes, Michael Kulus. Während diese behaupteten, dass die beschäftigten Frauen selbstständig tätig seien, gebe es Hinweise darauf, dass sie vielmehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt seien. Dafür sprächen Dienstpläne oder auch "stringente Anweisungen". Somit läge hier eine Scheinselbstständigkeit vor. Rentenversicherungsträger nähmen einen Schaden von 17,5 Millionen Euro an. Dazu kommt nach Polizeiangaben ein Steuerschaden in Höhe von 6 Millionen Euro, so dass eine Summe von rund 23 Millionen Euro im Raum stehe.

Berlin: Kein Widerstand bei Großeinsatz

Bei dem gegen 20.00 Uhr begonnenen Großeinsatz wurden nach Angaben des Polizeisprechers 212 Menschen in dem Bordell angetroffen - Prostituierte und Freier. Sie hätten keinen Widerstand geleistet und hätten sich kooperativ verhalten. Außerdem seien jeweils sechs Wohnungen in Berlin und im Bundesgebiet durchsucht worden.

tim / DPA
Themen in diesem Artikel