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Berlin-Kreuzberg: Im "Görli" haben Dealer jetzt eigene Stehplätze: "Kapitulation des Rechtsstaates"

Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg ist seit Jahren in Verruf wegen des exzessiven Drogenhandels. Das Problem will der Parkwächter nun auf eigene Weise lösen – mit Stehplätzen für Dealer.

An einem Eingang zum Görlitzer Park in Berlin ist eine rosa Markierung auf dem Boden zu sehen. Dort sollen Drogendealer künftig stehen

An einem Eingang zum Görlitzer Park in Berlin ist eine rosa Markierung auf dem Boden zu sehen. Dort sollen Drogendealer künftig stehen

DPA

In Berlin geraten die Dealer im Görlitzer Park - einmal wieder - in den Fokus des öffentlichen Interesses. Dieses Mal wirkt die Debatte allerdings ganz besonders skurril, denn in dem Park wurden jüngst eigens Stehplätze für Drogendealer markiert. Befürworter der Aktion sehen diese als vernünftigen Schritt - nach dem Motto: Wenn man des Drogenhandels schon nicht Herr wird, kann man ja wenigstens verhindern, dass die Dealer unkontrolliert Parkbesucher bedrängen.

Nachdem die Debatte am Mittwoch heftig in Berlin geführt wurde, äußerte sich nun auch die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler, zu den markierten Stehplätzen - und kritisierte diese scharf. "Wenn das so stimmt, dann ist das eine Kapitulation des Rechtsstaates", sagte die CSU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Man dürfe den Dealern keinen "Freibrief zum Handel" erteilten.

Markierte Bereiche für Dealer - mitten in Berlin

Auslöser der Debatte ist die Idee, dass Drogendealer in dem Kreuzberger Park in kleinen Bereichen stehen sollen, die mit rosa Sprühfarbe markiert sind. Das Vorhaben des Parkmanagers rief ein empörtes Echo bei den Berliner Oppositionsparteien CDU und FDP hervor. Solche zugewiesenen Flächen seien eine Einladung zum Rechtsbruch, sagte CDU-Fraktionschef Burkard Dregger. Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe nannte das Ganze eine "Farce".

Zuvor hatte die "RBB-Abendschau" darüber berichtet. Dort sagte der zuständige Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne), Drogenverkauf könne immer nur verschoben werden. Man müsse mit den Realitäten umgehen. Die "Bild"-Zeitung zitierte Schmidt mit den Worten: "Der Vorstoß ist nicht mit dem Bezirksamt abgestimmt und sollte zunächst einmal gut bedacht und in den zuständigen Gremien diskutiert werden."

Unklar ist bislang noch, wie die Dealer das neue Angebot finden. Ein Reporter der "Bild"-Zeitung berichtete am Mittwoch, keiner der zahlreichen Drogenverkäufer nutze die neuen "Verkaufsstellen". An den pink markierten Stellen stehe niemand.

Parkmanager möchte weniger Gedrängel im "Görli"

Die neuen markierten Stellen gehen auf eine Idee von Parkmanager Cengiz Demirci, eines Angestellten des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, zurück. Laut RBB will Demirci mit den neuen Dealer-Zonen verhindern, dass sich Park-Besucher am Eingang zum "Görli" durch ein Spalier von Menschen bedrängt fühlten. Das Vorgehen habe rein praktische Gründe, wurde der Parkmanager im RBB zitiert. Es bedeute keine Legalisierung des Drogenhandels. Den Handel mit Drogen könne man nur bekämpfen, wenn man den meist afrikanischen Dealern Arbeitserlaubnisse erteilen würde. "Dann würden hier 90 Prozent sofort aufhören", so Demirci gegenüber dem Sender.

Die Gewerkschaft der Polizei hält nichts von den Drogen-Verkaufsplätzen. Benjamin Jendro  von der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte der "Bild"-Zeitung: "Wenn der Park drogen- und damit kriminalitätsfrei werden soll, bedarf es dauerhaften polizeilichen Drucks und juristischer Entschlossenheit." Die Debatte um die Dealer im "Görli" in Berlin dürfte also anhalten.

Quellen: RBB, dpa, "Bild.de"

anb / DPA