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Vorfall in Berlin: Vorwurf der Polizeigewalt: Beamte treten und schlagen auf am Boden liegenden Mann ein

Es sind schwer zu ertragende Bilder: Aufnahmen zeigen, wie Einsatzkräfte in Berlin wieder und wieder auf einen fixiert am Boden liegenden Mann eintreten und -schlagen. Die Polizei verspricht Aufklärung und ermittelt in den eigenen Reihen.

Polizeibeamte in Berlin bei der Festnahme

Die Beamten treten und schlagen in Berlin-Kreuzberg wiederholt auf die Person ein, die Polizei verspricht Aufklärung

In Berlin ermittelt die Polizei in einem Fall möglicher rechtswidriger Beamtengewalt gegen einen Festgenommenen. Videoaufnahmen zeigen, wie Einsatzkräfte am Kottbusser Tor im Stadtteil Kreuzberg eine Person auf den Asphalt drücken. Während ein Polizist über ihm steht, liegt ein Beamter auf dem Oberkörper des Mannes. Ein Dritter kniet über dem Fixierten und schlägt wiederholt auf ihn ein.

Kurz darauf kommen weitere Polizisten hinzu, sodass sich zwischenzeitlich sieben Uniformierte auf und neben dem Festgenommen befinden. Einer der herangestürmten Beamten tritt dem offenbar bewegungsunfähigen Mann mehrfach in die Seite, während andere ihn mit Schlägen oder Kniestößen auf den oberen Bereich des Körpers malträtieren. Keiner der Polizisten schreitet ein, um die Gewalt ihrer Kollegen zu stoppen.

Zeigen Videos rechtswidrige Polizeigewalt in Berlin?

Auf dem Video sind Schreie von Zeugen zu hören, die die Beamten vergeblich auffordern, das Schlagen und Treten einzustellen. Die Passanten werden von Einsatzkräften per Schutzschild und Pfefferspray auf Distanz gehalten.

Matthias Monroy, Journalist und Mitarbeiter eines Linken-Bundestagsabgeordneten, veröffentlichte das ihm zugespielte Video bei Twitter.

Ein Youtube-Nutzer lud ein weiteres Video hoch, das die Situation kurze Zeit vorher zeigt. Einige der Passanten in dem Ausschnitt sind identisch mit jenen, die auch im Twittervideo zu sehen sind, zudem wurde es an der Stelle des ersten Videos, in der Reichenberger Straße, aufgenommen. Unter anderem stehen in beiden Sequenzen der dunkle Audi und der Opel-Streifenwagen auf der Straße, auch die Verschmutzung der Fahrbahn ist in beiden Videos identisch.

Auch in dem Youtube-Video sind Schläge von Beamten gegen den am Boden liegenden Mann zu sehen.

Dem stern liegt eine Aufnahme vor, die die etwa anderthalb Minuten jeweils vor und nach den veröffentlichten Sequenzen zeigt. Dort versucht ein Polizist zunächst, den Verdächtigen auf den Boden zu bringen. Unter anderem schlägt der Beamte ihm im Verlauf des Kampfes mit seinem Tränengasbehälter gegen den Kopf. Erst nachdem ein zweiter Beamte zu Hilfe gekommen ist, liegt der Mann am Boden. Die Stimmung unter den umstehenden Passanten wirkt aufgeheizt. Am Ende wird der Festgenommene in den Streifenwagen verfrachtet. Ob der Mann bei dem Einsatz verletzt wurde, ist nicht bekannt. (Aus Gründen des Urheber- und Persönlichkeitsrechts veröffentlichen wir das Video nicht.)

Aschenbecher- und Flaschenwürfe auf Polizisten

Die Berliner Polizei äußerte sich in einer Pressemitteilung zu dem Einsatz. Demnach ist am Donnerstag ein 22-Jähriger als mutmaßlicher Dieb eines Fahrrads wiedererkannt und von Beamten kontrolliert worden. Nach der Personalienaufnahme habe der Verdächtige gegen den Streifenwagen getreten und die hintere Tür aufgerissen. Daher sei der Mann festgenommen worden.

Dabei seien die Beamten von Straftätern unter anderem mit Aschenbechern und Flaschen beworfen worden, wie auch eine Augenzeugin dem stern bestätigte. Mit Unterstützung von weiteren Einsatzkräften seien vier Personen festgenommen worden, drei Beamte wurden bei dem Einsatz verletzt. Auf den Vorwurf unrechtmäßiger und überzogener Polizeigewalt geht die Behörde in ihrer Pressemitteilung mit keinem Wort ein.

Auf Nachfrage sagte ein Sprecher der Polizei, dass die veröffentlichten Sequenzen bekannt seien. "Wir prüfen die Videoaufnahmen mit Nachdruck", versicherte er am Vormittag. Bei der Prüfung gehe es unter anderem um die Echtheit der Aufnahmen um die Geschehnisse im Vorfeld der Situation. 

Inzwischen teilte die Behörde mit, dass sie Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt aufgenommen hat. Solche Untersuchungen werden in Berlin von der zuständigen LKA-Abteilung für Amtsdelikte vorgenommen.

Körperverletzung im Amt wird mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Im vergangenen Jahr erfasste die Berliner Polizei laut Kriminalstatistik insgesamt 447 solcher Fälle, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Rund 60 Prozent der Fälle in der Hauptstadt wurden aufgeklärt. Wie viele Verurteilungen sich daraus ergeben haben, ist nicht bekannt.

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