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Medienberichte Rätselhafte "Hinrichtung" in Berlin: War der russische Geheimdienst involviert?

Beamte der Spurensicherung sichern Spuren am Tatort in Berlin-Moabit
Beamte der Spurensicherung sichern Spuren am Tatort in Berlin-Moabit
© Christoph Soeder / DPA
An einem Freitagmittag vor einer Woche wurde ein Georgier auf offener Straße in Berlin erschossen. Medienberichten zufolge könnte der mutmaßliche Killer eine Verbindung zum russischen Geheimdienst haben.

Zwei Schüsse. Eine Art Hinrichtung. So beschreibt eine Zeugin Reportern der "Berliner Morgenpost" das, was sich vor einer Woche in Berlin-Moabit abgespielt hat: Der Täter nähert sich seinem Opfer von hinten auf dem Fahrrad und drückt aus wenigen Metern Entfernung ab, berichtete die Frau. "Als der Mann auf dem Boden lag, hat er ein zweites Mal geschossen." Der Getroffene stirbt noch am Tatort (der stern berichtete).

Die Ermittlungsbehörden hielten sich mit Informationen zu dem mutmaßlichen Täter zunächst bedeckt. Sie bestätigten zunächst Alter und die Nationalität des festgenommenen Verdächtigen: Es handele sich um einen 49-jährigen Russen. Womöglich mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst, wie nun "Der Spiegel" und die Investigativnetzwerke "Bellingcat" und "The Insider" berichten.

Hat der russische Geheimdienst eine Rolle gespielt?

Den Berichten zufolge könnte der Tatverdächtige mit einer falschen Identität nach Deutschland eingereist sein. Laut seinen Visaangaben heißt der Mann angeblich Vadim Andreevich Sokolov, sei 49 Jahre alt und in Irkutsk (Sibieien) geboren. Er habe St. Petersburg als seinen Wohnsitz angegeben – allerdings fehlerhaft und unvollständig, wie das Netzwerk berichtet. Überhaupt bestünde Zweifel an den Angaben, so der Rechercheverbund: Im nationalen russischen Passregister sei niemand unter den angegeben Personalien gemeldet, auch im Führerscheinregister gebe es keinen übereinstimmenden Eintrag.

Die Reisepassnummer des mutmaßlichen Killers führe hingegen zu einer Einheit im Moskauer Innenministerium, heißt es. Dieses habe bereits in der Vergangenheit Dokumente für den Militärgeheimdienst GRU ausgestellt.  

Der Mann sei über den Flughafen Charles de Gaulle in Paris nach Europa eingereist. In dem Pariser Hotel, das der Tatverdächtige in seinem Visumsantrag angegeben habe, sei er offenbar nie gewesen – zumindest ein Rezeptionist will ihn dort nicht gesehen haben.

Kurz nach dem Mord berichtete "Spiegel Online", dass der Mordanschlag womöglich penibel geplant worden sei. Laut dem Nachrichtenportal hatte der mutmaßliche Täter Vorkehrungen für eine schnelle Ausreise aus der Bundesrepublik getroffen und sich eigens verkleidet, bevor er seine Neun-Millimeter-Waffe mit Schalldämpfer gezogen habe.

Auf das Opfer wurde offenbar schon einmal ein Mordanschlag verübt

Bei dem Opfer handelt es sich um einen 40-jährigen Georgier, wie die Berliner Generalstaatsanwaltschaft informierte. Die Menschenrechtsorganisation EMC mit Sitz in der georgischen Hauptstadt Tiflis teilte nach dem Mord mit, dass es sich bei ihm um Zelimkhan K. handele, auf den bereits mindestens ein Mordanschlag im Mai 2015 verübt worden sei.

Berichten zufolge soll K. im Zweiten Tschetschenienkrieg (1999 bis 2009) an der Seite der abtrünnigen Kaukasusrepublik gegen Russland gekämpft haben. Anschließend habe er einer Anti-Terror-Einheit des georgischen Innenministeriums angehört und sich unter anderem durch die Beteiligung an einer Geiselbefreiung 2012 mit 14 Toten Feinde in Islamistenkreisen gemacht.

Quellen: "Der Spiegel", "Spiegel Online""Berliner Morgenpost"

fs

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