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Berlin: Nazi-Angriff war vorgetäuscht

Der fremdenfeindliche Übergriff auf einen Italiener in Berlin ist vermutlich nur vorgetäuscht gewesen. Hunderte Menschen demonstrierten gegen vermeintlichen Ausländerhass, dabei war das vermeintliche Opfer nur betrunken gestürzt.

Nach derzeitigen Erkenntnissen sei das vermeintliche Opfer angetrunken in ein Gleisbett der S-Bahn gefallen und habe sich dabei verletzt, teilte Staatsanwalt Michael Grunwald in Berlin mit. Dies sei auf Überwachungskameras vom S-Bahnhof Alexanderplatz zu sehen. Gegen den Mann seien Ermittlungen wegen Vortäuschens einer Straftat eingeleitet worden.

Hunderte gingen auf die Straßen

Der offenbar vorgetäuschte Angriff hatte nach anderen fremdenfeindlichen Übergriffen in Ostdeutschland aus der jüngeren Vergangenheit Bestürzung und Warnungen vor einem zunehmenden fremdenfeindlichen Klima in Deutschland ausgelöst.

So hatte der Bundesausländerbeirat erklärt, der Übergriff auf den Italiener oder der rassistische Angriff auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam seien nur die Spitze eines Eisberges. Nicht nur in Zeiten der Fußballweltmeisterschaft könne und dürfe sich Deutschland so etwas nicht leisten. Als Reaktion auf den vermeintlichen Überfall hatten am Montagabend mehrere Hundert Menschen in Berlin an einer Demonstration gegen rassistische Übergriffe teilgenommen.

"Scheiß Ausländer"

Der 30-jährige Italiener hatte angegeben, am Wochenende im Stadtteil Prenzlauer Berg von drei kahlköpfigen Tätern nach seiner Nationalität befragt worden zu sein. Als er geantwortet habe, er sei Italiener, sollen sie ihn als "Scheiß Ausländer" beschimpft und mit einem Baseballschläger geschlagen haben. Der Mann war mit Kopf- und Knieverletzung in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Widersprüchliche Angaben

Staatsanwalt Grunwald teilte mit, bei der Ermittlung seien Staatsschutz und Staatsanwaltschaft auf widersprüchliche Angaben zum Tathergang gestoßen. Der Verletzte habe angegeben, gegen 1 Uhr von den drei kahlköpfigen Männern angegriffen worden zu sein. Er sei aber erst gegen 4 Uhr mehrere Kilometer entfernt verletzt angetroffen worden.

Auf den Kamerabildern sei eine Person zu sehen, die auf dem S-Bahnhof Alexansderplatz ins Stolpern gerate und ins Gleisbett falle. Die Person sei zwar ohne Hilfe wieder auf den Bahnsteig geklettert, habe aber wegen der Knieverletzung nicht weiterlaufen können. Blutspuren im Gleisbett würden mit der DNA des 30-Jährigen abgeglichen. Dieser habe nach der Konfrontation mit der Beweislage von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

Reuters / Reuters