Berliner Charité Krankenschwester tötet zwei Patienten


Entsetzen an der Berliner Charité: Eine Krankenschwester hat zwei todkranke Männer, die auf der Intensivstation lagen, mit einer Überdosis an Medikamenten getötet. Die 54-Jährige steht damit in einer langen Reihe selbsternannter "Todesengel".

Gegen die Frau wurde wegen zweifachen Mordes Haftbefehl erlassen, teilte der Sprecher der Staatsanwalts, Michael Grunwald, mit. Die langjährige Schwester habe den "Ablauf beider Taten" eingeräumt, ihr Motiv sei aber noch unklar. Die Charité-Leitung zeigte sich betroffen und sprach von "tragischen Vorfällen". Die männlichen Opfer, die Mitte August und Anfang Oktober starben, waren 77 und 62 Jahre alt. Was sich genau auf der Intensivstation auf dem Campus Mitte abspielte, ist noch unbekannt. Klar ist nur, dass es sich bei den beiden möglichen Opfern um zwei schwer kranke Männer handelte, die wegen starker Herzprobleme in der Klinik lagen.

Das Klinikum kündigte an, alle Todesfälle der vergangenen Jahre zu untersuchen. So sollten weitere Tötungsdelikte ausgeschlossen werden, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Ob dieses Ziel allerdings auch praktisch umzusetzen ist, ist fraglich. Immerhin starben auf der Intensivstation nach Klinikangaben allein seit Juni 2004 mehr als 130 Männer und Frauen.

Schneller und abrupter gestorben

Bei den beiden herzkranken Männern hatte sich die Klinik entschlossen, nur noch lebenserhaltende Maßnahmen wie Beatmung anzuwenden. "Die Fälle waren aus medizinischer Sicht aussichtslos", sagte der Direktor des betroffenen Centrums für Innere Medizin, Gert Baumann. "Wir gingen davon aus, dass die Patienten innerhalb der nächsten zwei Wochen sterben würden."

Dass sie dann zwar wie erwartet starben, machte dennoch einige Mitarbeiter des Pflegepersonals stutzig. Immerhin war der Tod schneller und abrupter eingetreten, als zuvor angenommen, wie Baumann sagte. Als der Klinikdirektor am Mittwoch von diesen Zweifeln erfuhr, schaltete er sofort den Charité-Vorstand und die Kriminalpolizei ein. Wenige Stunden später wurde die Frau festgenommen.

Möglicherweise drittes Opfer

Warum die Krankenschwester die Medikamentenüberdosis verabreichte, ist noch unklar. Die 54-Jährige war bereits seit rund zehn Jahren in der Intensivation der Kardiologie tätig und allen Mitarbeitern als sehr zuverlässige Kraft bekannt, wie Baumann sagte. "Ich habe die Schwester sehr geschätzt", sagte der Mediziner. "Sie hat sich immer sehr um die schwer kranken Patienten gekümmert, und ich wusste diese Patienten bei ihr auch in guten Händen - oder glaubte das zumindest zu wissen."

Bei dem Medikament soll es sich um ein blutdrucksenkendes Mittel handeln, das nach Angaben des Klinikdirektors häufig auf der Intensivstation verwendet wird. Es habe keine Kontrollen gegeben, wie viele Ampullen aus dem Lager genommen wurden, räumte Baumann ein. Die Schwester habe freien Zugang zu dem Medikament gehabt.

Ein weiterer Verdachtsfall konnte noch nicht geklärt werden. Eine dritte Leiche aus der Berliner Charité wurde obduziert. Die Todesursache könne erst nach einer chemisch-toxikologischen Untersuchung benannt werden, hieß es bei der Staatsanwaltschaft.


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