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Berliner Rocker-Prozess: Rachegelüste und tödliche Schüsse im Rockermilieu: Ein Justiz-Krimi steht vor dem Ende

Mitglieder der Rockergruppe Hells Angels müssen sich wegen mutmaßlichen Mordes vor Gericht verantworten. Mit dem Urteilsspruch dürfte einer der langwierigsten bundesdeutschen Justiz-Krimis zur Rockerkriminalität enden.

Ein Mitglied der Rockergruppe Hells Angels nimmt an einem Protestkorso teil

Ein Mitglied der Rockergruppe Hells Angels nimmt an einem Protestkorso teil

DPA

Es dürfte einer der langwierigsten Prozesse zur Rockerkriminalität in der Geschichte der bundesdeutschen Justiz sein. Mit dem Urteilsspruch soll am Nachmittag nach rund fünf Jahren das Verfahren vor dem Berliner Landgericht gegen zehn Angeklagte zu Ende gehen.

In den vergangenen Jahren ging es im Kern um gerade einmal 25 Sekunden, die sich am 10. Januar 2014 in einem Wettbüro im Berliner Stadtteil Reineckendorf abgespielt haben. Vor laufenden Überwachungskameras überfielen seinerzeit 13 Vermummte das Lokal in der Residenzstraße. Einer der Männer feuerte mehrfach mit einer Pistole auf einen 26-Jährigen. Das Opfer erlag seinen schweren Verletzungen. 

Hintergrund für den Angriff sollen Rivalitäten und Rachegelüste im Rockermilieu gewesen sein, die später festgenommen Verdächtigen sollen den Hells Angels angehören. Ihnen die Tat zweifelsfrei nachzuweisen, darum ging es in dem hochgesicherten Gericht in den vergangenen Jahren. Hunderte Zeugen wurden verhört, zahllose Telefongespräche überwacht, Tausende Handynachrichten ausgewertet, Sachverständige befragt.

Kassra Z., der Kronzeuge im Berliner Rockerprozess

Wichtigster Zeuge für die Anklage: Kassra Z., 32. Der Kronzeuge ist an einem geheimen Ort inhaftiert. Zum Gerichtsgebäude kommt er in Begleitung von Sondereinheiten der Polizei, sitzt dort hinter Panzerglas. In seinem Schlusswort sagte er laut "Berliner Tagesspiegel": "Die Geschichte tut mir unfassbar leid." Und: "Es hätte nicht passieren dürfen." Auch er ist wie seine mutmaßlichen Komplizen wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Wegen seiner Hilfe bei der Aufklärung fordert die Staatsanwaltschaft für Z. nur zehn Jahre Haft, für acht der Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe. Einen der Männer hält die Anklage zudem der Anstiftung zum Mord für schuldig. Bei einem Angeklagten sahen die Staatsanwälte laut "Berliner Morgenpost" keinen Tatnachweis.

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Mehrere Angeklagte äußerten sich in der seit November 2014 laufenden Verhandlung und bestritten einen Tötungsauftrag. Der Prozess hatte ursprünglich mit elf Angeklagten begonnen. Gegen einen Verdächtigen wird aus gesundheitlichen Gründen gesondert verhandelt. Weitere Verdächtige sollen untergetaucht sein.

Quellen: "Berliner Morgenpost", "Berliner Tagesspiegel", Nachrichtenagentur DPA

wue